Städtereise: Warschau

Warschau ist die Hauptstadt Polens und mit 1,7 Millionen Einwohnern auch die größte Stadt des Landes. Als Verkehrsknotenpunkt zwischen West- und Osteuropa ist die Metropole an der Weichsel seit jeher von großer Bedeutung für den Transitverkehr von Westeuropa in die Ukraine und nach Russland. Zusammen mit den umliegenden Städten bildet Warschau innerhalb der Woiwodschaft Masowien einen Ballungsraum, in dem gut 3,5 Millionen Menschen leben.

In deutschsprachigen Ländern verbindet man die polnische Hauptstadt in erster Linie mit dem Begriff „Warschauer Pakt“ oder mit dem „Warschauer Getto“. Warschau ist eine Stadt mit einer wechselvollen, ziemlich leidvollen Geschichte. Schon während des Ersten Weltkrieges hinterließen die verfeindeten Mächte in der Stadt eine Schneise der Verwüstung, aber es sollte noch schlimmer kommen. 1939 marschierten deutsche Truppen ein und verbreiteten fünf Jahre lang Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Schlimmster Auswuchs des nationalsozialistischen Terrors war die Errichtung des Warschauer Gettos, ein hauptsächlich von Bürgern jüdischen Glaubens bewohnter Bezirk, der unter der Gewaltherrschaft der Nazis 1940 mit einer Mauer abgeriegelt wurde. Infolge der Kriegswirren wurden weite Teile der historischen Altstadt zerstört, von denen viele nicht wieder aufgebaut wurden. Trotz des vielen Leids, das Warschau überkam, wirkt die Stadt heute selbstbewusst und aufstrebend. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde hier viel investiert.

Zeugen des Aufschwungs sind die Wolkenkratzer, die zusammen mit dem 1955 erbauten, 231 Meter hohen Kulturpalast die Silhouette der Hauptstadt prägen. Dieses Meisterwerk des Sozialistischen Realismus ist noch immer das höchste Gebäude von Warschau.

Das historische Warschau, vor allem die Altstadt, bietet das Kontrastprogramm zum modernen Wirtschaftszentrum mit seinen Bankhochhäusern. Beliebtester Treffpunkt bei Touristen ist der Schlossplatz, der vom wieder aufgebauten Königsschloss eingerahmt wird. Unweit dieses schmucken Baus befindet sich ein weiteres schlossähnliches Gebäude, und zwar der Palast unter dem Blechdach. Dieses barocke Schmuckstück verdankt seinen Namen der Tatsache, dass es nicht wie üblich mit Schindeln gedeckt wurde, sondern ein Blechdach erhielt.

Zwischen dem Schlossplatz und dem etwas weiter nördlich gelegenen Marktplatz „Rynek“ erhebt sich die Johanneskathedrale über den Dächern der Altstadt. Sie geht auf das 15. Jahrhundert zurück, wurde nach schweren Zerstörungen allerdings mit neugotischen Stilanpassungen wiederaufgebaut.

Die auf einer Anhöhe gelegene Altstadt wird ringförmig von der Straße Podwale umschlossen. Westlich dieses Ringes befinden sich Regierungs- und Verwaltungsgebäude sowie das riesige Wielki-Theater.

Ähnlich wie in Brüssel befindet sich der Warschauer Zentralbahnhof unterirdisch. Seit 1995 ergänzt auch in Warschau eine moderne U-Bahnlinie die im Gebiet der Innenstadt weitestgehend unterirdischen Vorortzüge. Diese weisen ein Kuriosum auf: Die vorhandenen Tunnelstrecken waren eine Hand breit zu schmal für die bestellten Doppelstockzüge, weswegen die Fahrgäste nur auf den oberirdisch verlaufenden Strecken den Komfort moderner Waggons erfahren können.

Foto: CC 3.0 DocentX

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