Städtereise: Tallinn

Die estnische Hauptstadt Tallinn zählt gut 400.000 Einwohner und liegt am Finnischen Meerbusen, quasi gegenüber von Helsinki. Nordöstlich der Kernstadt befindet sich der Stadtteil Pirita, wo der gleichnamige Fluss in die Ostsee mündet. Tallinn ist ein wichtiger Hafen, von dem aus Fähren nach Schweden, Finnland aber auch nach Sankt Petersburg und Rostock verkehren. Die historische Altstadt befindet sich zu Füßen des 48 Meter hohen Domberges, auf dessen Plateau sich die Oberstadt erstreckt.

Wie auch Riga war die estnische Hauptstadt Tallinn immer Spielball der Mächte. Auch Estland erlangte erst nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 wieder seine frühere Souveränität. Drei Jahre lang hatte die deutsche Wehrmacht die Stadt von 1941 an besetzt. Erst mit einem schweren Bombenangriff der Roten Armee, dem einiges an historischer Bausubstanz in der Altstadt zum Opfer fiel, erlangte der Kreml wieder die Kontrolle über die Estnische Sozialistische Sowjetrepublik (wider Willen).

Heute ist von den Zerstörungen in der Altstadt kaum mehr etwas zu spüren. Estland ist – bedingt durch die Nähe zu Finnland und Schweden – ein Land, das nach dem Niedergang des Kommunismus ein rasches Wachstum verzeichnen konnte. Viele internationale Firmen ließen sich in Estland nieder, und Tallinn konnte sich als Hauptstadt der kleinen, nur 1,3 Millionen Einwohner zählenden Republik, zu einer richtigen Wirtschaftsmetropole entwickeln. In Stahl und Glas ausgedrückt steht das 94 Meter hohe Gebäude der Eesti Ühispank für den neuen Wohlstand.

Das historische Tallinn ist nicht weniger bescheiden. Auch hier sieht man der Stadt an, dass sie im Mittelalter eine bedeutende Hansestadt war. Zahlreiche mittelalterliche Gebäude und Kirchen zeugen von dieser ruhmreichen Vergangenheit.

Der neben der Nikolaikirche bedeutendste Sakralbau ist die Olaikirche. Ihr Turm war bis ins 17. Jahrhundert hinein mit sagenhaften 159 Metern das höchste Gebäude der Welt. Nach einem Blitzeinschlag brannte der Turm nieder und wurde mit einer Höhe von 123,7 Metern im 19. Jahrhundert neu errichtet.

Vom Domberg aus, auf dem sich auch das Parlament und die beschauliche Domkirche befinden, hat man einen guten Ausblick auf die Altstadt und den Hafen. Ein Relikt der russischen Herrschaft ist die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren charakteristischen Zwiebeltürmen.

Mit der Ausrichtung der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele von 1980 (Moskau) in Tallinn setzte der Kreml ein Zeichen der Macht, das der Welt und den Esten eines zeigen sollte: Estland ist ein Teil der Sowjetunion. Der eigens hierfür gebaute Jachthafen im Stadtteil Pirita hat Tallinn diesem Umstand zu verdanken. Pirita ist nicht nur ein Strandbad, wo an warmen Sommerabenden Partystimmung herrscht, sondern auch ein Ort der Einkehr – zumindest erzählt dies die Ruine des Brigittenklosters, nach der der Stadtteil benannt wurde.

Foto: CC 2.0 Leo-setä

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