Ruhrpott – Industrietourismus in Duisburg

Duisburg ist wahrlich keine besonders sehenswerte Stadt. An ihr haftet noch immer das Schimanski-Schmuddelimage, und trotz der Aufwertung der Innenstadt – Innenhafen, Einkaufszentren und Kasino – gibt es für den Besucher keinen Grund, das Image als Vorurteil oder Vergangenheit anzusehen. Dies wird vor allem im Duisburger Norden klar, der weit über die Stadtgrenzen Duisburgs hinaus bekannt ist. Wer allerdings noch etwas vom „alten“ Ruhrgebiet sehen möchte und vielleicht gerne fotografiert, kommt dort auf seine Kosten.

Der Alsumer Berg, landläufig auch Beecker Halde genannt, ist eine ehemalige Schutthalde, die zur Ablagerung von Schutt und Kriegstrümmern verwendet wurde. Heute ist die Halde als Grünfläche umgestaltet (aus der Methangas austritt) und gilt als Landschaftsschutzgebiet. Von ihr hat man eine überwältigende Aussicht auf die umliegenden Industrieanlagen: die Industriekulisse des Stahlwerkes, die Kokerei Schwelgern (genannt Hamborner Ofengruppe), das Stahlwerk Bruckhausen (von ThyssenKrupp), das Kraftwerk Duisburg-Walsum und die Werksanlagen von Fritz Schupp.

Den Alsumer Berg erreicht man durch den Matena-Tunnel, der mitten unter dem aktiven Stahlwerk von Thyssen-Krupp verläuft. Er wurde im Zuge von Werkserweiterungen im Jahre 1911 auf der bestehenden, ungerade verlaufenden Matena-Straße errichtet – man hat sie einfach überbaut. Der Tunnel hat heute einen gewissen Gruselcharme aufgrund seiner extremen Baufälligkeit. Straßenbelag und Decke sind schlecht, die Kacheln lösen sich von den Wänden und über allem liegt eine dicke Schicht schwarzer Feinstaub, der für Wandbemalungen genutzt werden kann. Der Tunnel ist auch für Fußgänger passierbar.

Hinter dem Tunnel liegt der kleine Stadtteil Bruckhausen mit vielen leerstehenden, heruntergekommenen Häusern. Der kleine, abgeschnittene Stadtteil sollte aufgrund der schlechten Luft schon mehrfach abgerissen werden. Bruckhausen ist einer der ersten Stadtteile, in dem Deutsche zur Minderheit wurden – die meisten Anwohner sind ehemalige Gastarbeiter und nachgezogene Familienmitglieder aus der Türkei. Daher dient Bruckhausen als Modell für Wissenschaftler, die die Entwicklung ethnisch-kultureller Konflikte untersuchen. Ähnlich sieht es in weiten Teilen Duisburgs aus.

Das Highlight der Duisburger Industriekultur ist der Landschaftspark Duisburg-Nord in Meiderich, ein etwa 200 Hektar großer Landschaftspark rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk, der vielfältig genutzt wird. Er ist einer der Ankerpunkte der Europäischen Route der Industriekultur sowie der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. Der ehemalige Hochofen 5 wurde bis zur Spitze begehbar gemacht – eine grandiose Sehenswürdigkeit. In einer Höhe von ca. 50 Metern hat man eine sehr gute Aussicht über die Industrieanlagen und die Stadt Duisburg bis in die benachbarten Städte hinein. Nachts sind die Industrieanlagen durch eine farbige Beleuchtung von Jonathan Park in Szene gesetzt.

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3 Kommentare zu Ruhrpott – Industrietourismus in Duisburg

  1. Martin 1. Dezember 2010 um 22:20 #

    Dat is Duisburg, die inoffizielle Hymne einer Stadt 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=3tMwRiqKGpM

  2. Lisa 2. Dezember 2010 um 20:40 #

    Hallo,

    wir würden gerne den Hochofen 5 besteigen, finden aber keine Informationen zu Führungen, bei denen eine Besteigung enthalten ist. Weiß jemand etwas dazu?

    VG

    • David 2. Dezember 2010 um 20:52 #

      Hallo Lisa, der Hochofen ist frei zugänglich. Laut Besucherzentrum sogar 365 Tage 24 Stunden!

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