Städtereise: Brügge

Auf der heutigen Landkarte ist nicht mehr zu erkennen, dass Brügge bis ins das ausgehende Mittelalter hinein an einem Meeresarm, dem Zwin, lag. Dieser versandete im Lauf der Zeit, und Brügge verlor seinen Zugang zur 15 Kilometer entfernten Nordsee. Heute ist Brügge – dank des Tourismus und dem Bau des Boudewijnkanals – wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. 116.000 Einwohner zählt die Hauptstadt der belgischen Provinz West-Flandern heute.

„Brugge die Scone“, „Bruges la morte“, „Perle von Flandern“, „Venedig des Nordens“ – das sind nur einige der bekanntesten Titel, die Brügge trägt. Die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Altstadt aus dem 12. bis 16. Jahrhundert ist das Spiegelbild von Macht und Reichtum, die Brügge zu diesen ehrenvollen Auszeichnungen verholfen haben. Als eine der schönsten Städte der Welt durfte sich Brügge 2002 Kulturhauptstadt Europas nennen.

Davon, wie reich und bedeutend die Stadt im Mittelalter gewesen sein muss, zeugt die von Michelangelo geschaffene Madonna mit dem Kind aus weißem Marmor. Dieses Kunstwerk von unschätzbarem Wert ist das einzige Kunstwerk des italienischen Meisters, das jenseits der Alpen dauerhaft zu bewundern ist. Die dieses Kunstwerk beherbergende Liebfrauenkirche weist noch einen anderen Superlativ auf: ihr 122 Meter hoher Backsteinkirchturm ist der zweithöchste Turm dieser Art der Welt. In Sichtweite dieser Kirche befindet sich die nicht weniger sehenswerte Sankt-Salvatorkathedrale, deren Turm zusammen mit dem von Liebfrauenkirche und dem 83 Meter hohen Belfried die Silhouette der Stadt prägt.

Den Charme der Altstadt machen neben den alten Häusern mit ihren gotischen Treppengiebeln natürlich in erster Linie die Reien genannten Grachten aus. Brügge ist aber auch eine moderne Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten und vielen Cafés. Auch wenn das Nachtleben hier nicht so lebhaft ist wie in Leuven, Lüttich oder Gent, kann man sich in Brügge über einen Mangel an kulturellen Angeboten nicht beklagen.

Neben dem Beginenhof und der gesamten Altstadt steht auch der 83 Meter hohe Brügger Belfried auf der UNESCO-Liste für erhaltenswertes Weltkulturerbe. Dieser Turm, der sich über den Tuchhallen erhebt, ist das Symbol der bürgerlichen Macht. 366 Stufen führen ausdauernde Besucher hinauf in die Glockenstube, von der aus man das Panorama über die Stadt und das grüne Polderland genießen kann. Spätestens dann, wenn der Beiaardier genannte Glockenspieler die 47 Bronzeglocken mit ihrem Gesamtgewicht von 27 Tonnen erklingen lässt, weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

Foto: CC 2.0 Wolfgang Staudt

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