Mit der Schwebebahn durch Wuppertal

Die Wuppertaler Schwebebahn ist ein im Jahr 1901 eröffnetes und bis heute in Betrieb stehendes öffentliches Personennahverkehrssystem. Die Hochbahn gilt als Wahrzeichen von Wuppertal und symbolisiert die Blütezeit der Frühindustrialisierung.

Ende des 19. Jahrhunderts waren die Städte im Wuppertaler Gebiet zu einer Großstadt von fast 400.000 Einwohnern zusammengewachsen. Die Topographie des Wuppertals ließ eine mehr als 15 Kilometer lange, im Tal dicht besiedelte Bandstadt mit Höhendifferenzen von circa 200 Metern entstehen. Da sich alle wichtigen Zentren, Unternehmen und dichter bebauten Wohnviertel in unmittelbarer Nähe zur Wupper befanden, konnte ein aufwändig zu bauendes und kostenintensiv zu betreibendes Verkehrssystem entlang des Flusses wirtschaftlich betrieben werden. Für eine Straßenbahn war allerdings kein Platz, und auch ein U-Bahn-Bau war nicht möglich.

Am 22. September 1894 entschied eine Gutachterkommission zugunsten einer Schwebebahn. Das Unternehmen „Elektrizitäts Aktiengesellschaft vormals Schuckert & Co.“ in Nürnberg bot sich für den Bau an. Am 31. Dezember 1894 wurde der Vertrag über den Bau der Bahn zwischen den beteiligten Städten Barmen und Elberfeld und der Firma unterzeichnet.

Zur Durchführung der Arbeiten und zum späteren Betrieb gründeten Eugen Langen, die „E. A. vorm. Schuckert & Co.“ und die Firma „van der Zypen & Charlier“ ein Schwebebahnkonsortium. Um den Streckenbau möglichst schnell abschließen zu können, beteiligten sich gleich vier verschiedene Unternehmen am Streckenbau.

1898 war Baubeginn. Nach einer Bauzeit von etwa drei Jahren unter der Leitung des Regierungsbaumeisters Wilhelm Feldmann konnte die Schwebebahn bis 1901 feierlich in Betrieb genommen werden. Für Tragegerüst und Haltestellen wurden rund 19.200 Tonnen Stahl verarbeitet. Die Baukosten betrugen 16 Millionen Goldmark.

Die Wuppertaler Schwebebahn fährt von Wuppertal-Oberbarmen über Barmen, Elberfeld und Elberfeld-West nach Wuppertal-Vohwinkel und zurück, sie durchquert die Stadt von Nordost nach Südwest. Bedingt durch die Tallage und die daraus resultierende bandstadtartige Topographie Wuppertals wird durch die gewählte Streckenführung ein Großteil der wichtigsten Ziele der Stadt mit der Schwebebahn erschlossen. Die Streckenlänge beträgt 13,3 Kilometer, die Gesamtfahrzeit inklusive der Haltestellenaufenthalte beträgt etwa 30 Minuten.

Insgesamt bedient die Schwebebahn 20 Haltestellen. Bis heute wurde ein Großteil der Stationen durch Neubauten ersetzt. Dies geschah schon frühzeitig, um dem gestiegenen Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen. Andere Stationen waren während des Zweiten Weltkrieges so stark beschädigt worden, dass sie abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden mussten. Der Großteil allerdings ist im Zuge der Modernisierung seit 1996 ersetzt worden. Dabei sind die typischen Eigenschaften der Ursprungshaltestellen verloren gegangen. Beispielhaft wurden lediglich drei Stationen sowie eine der beiden Wagenhallen erhalten. Die Stadtwerke haben jedoch angekündigt, in den kommenden Jahren auch die letzten historischen Haltestellen und die Halle durch Neubauten ersetzen zu wollen. Dann gäbe es keine baulichen Zeugnisse aus der Anfangszeit der Schwebebahn mehr.

Unfallfrei ist die Schwebebahn nicht. Am 12. April 1999 ereignete sich der einzige Unfall in der Geschichte der Schwebebahn, bei dem Tote zu beklagen waren: als der Triebwagen 4 in die Wupper stürzte, starben fünf Fahrgäste, 47 wurden verletzt. Bei der Erneuerung des Traggerüstes wurde ein vorübergehend angebrachtes Bauteil im Bereich der Fahrschiene („Kralle“) nach Ende der Arbeiten versehentlich nicht abmontiert. Der erste Zug fuhr auf dieses Hindernis auf, wobei durch die Wucht des Aufpralls das vordere Drehgestell vom Wagendach abgerissen wurde und der Wagen in die Wupper stürzte.

Besonders berühmt ist ein Vorfall vom 21. Juli 1950: Der Zirkus Althoff ließ seinen halbwüchsigen Elefanten Tuffi zu Werbezwecken zwischen den Haltestellen Rathausbrücke und Adlerbrücke mit der Schwebebahn fahren. Hierbei brach das durch die ungewohnten Geräusche und Schwingungen nervös gewordene Tier bereits nach wenigen Metern durch eine Seitenwand des Zuges und landete kaum verletzt in der Wupper. Dagegen gab es bei den mitfahrenden Reportern aufgrund der ausgebrochenen Panik einige Verletzte. Der Vorfall wurde so bekannt, dass es später dutzende Fahrer gab, die die Bahn in diesem Moment gefahren haben wollen. Heute schmückt wupperseitig das gemalte Bild eines kleinen Elefanten eine Hauswand am Unfallort. Die Wuppertaler Milchverarbeitung – jetzt als Tuffi-Campina in niederländisch-deutscher Hand – ließ sich den Namen des Elefanten als Markenzeichen schützen. Die in Wuppertal erhältlichen Postkarten und Fotos des Unfalls sind alle nachbearbeitete Bilder der damaligen Zeit, da sich beim Unfall sämtliche Reporter in der Bahn befanden und keiner am Wupperufer stand, um dieses Ereignis aufzunehmen.

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