New Yorks Subway: schrullig, aber unverzichtbar

Die U-Bahn von New York, Subway genannt, wurde 1904 eröffnet und zählt somit zu den ältesten U-Bahnen der Welt. Betreiber ist seit 1953 die New Yorker Verkehrsbehörde, die New York City Transit Authority (NYCTA).

Mit 26 Linien, 370 Streckenkilometern, 468 Bahnhöfen und knapp 5 Millionen Fahrgästen pro Tag gehört die Subway zu den längsten, komplexesten und wichtigsten U-Bahn-Systemen weltweit. Von den 370 Kilometern Streckennetz verlaufen 220 Kilometer unterirdisch, 113 Kilometer aufgeständert und weitere 37 Kilometer ebenerdig. Von den 468 bedienten Bahnhöfen liegen 277 im Tunnel, 153 aufgeständert, 29 auf einem Bahndamm und neun im Einschnitt.

Die Einwohnerzahl von New York hat sich von 700.000 im Jahr 1850 auf 3.500.000 im Jahr 1900 erhöht – eine U-Bahn war dringend nötig. Der erste Streckenabschnitt zwischen dem Rathaus und der 145th Street wurde am 27. Oktober 1904 dem Verkehr übergeben; dieses Datum gilt als offizielle Eröffnung der New Yorker Subway. Ihre Geschichte beginnt allerdings weit vor der offiziellen Eröffnung: Bereits vor dem Bau gab es eine Reihe von Hochbahnen und anderen Vorgängersystemen verschiedener Gesellschaften, die zum Teil noch heute in Betrieb sind.

Der größte Teil des heutigen Streckennetzes wurde von drei konkurrierenden Gesellschaften erbaut. Der Ausbau geschah in mehreren Stufen. Ein Meilenstein war die Vereinigung des Netzes im Jahr 1940; in den folgenden Jahren beschränkte sich der Netzausbau auf Verbindungstunnel und Modernisierungsmaßnahmen. Am 15. Juni 1953 wurde schließlich die New York City Transit Authority (NYCTA) gegründet mit dem Ziel, einen kostendeckenden und effizienten Betrieb der Subway sicherzustellen.

Abseits von ehrgeizigen Plänen hatte man in den folgenden Jahrzehnten mit enormen Problemen zu kämpfen – der öffentliche Nahverkehr erwies sich immer mehr als Zuschussgeschäft, die laufenden Kosten ließen sich nicht mehr nur aus den Einnahmen durch Fahrgelder decken. Bereits in den 1950er Jahren gab es eine Verschleppung von Wartung, die einen langsamen, aber stetigen Verfall von Fahrzeugen und Betriebsanlagen nach sich zog. Die Fahrgastzahlen sanken seit Ende der 1960er Jahre rapide. Die Stadt New York geriet zudem in eine schwere Finanzkrise, die 1975 ihren faktischen Bankrott bedeutete. Drastische Sparmaßnahmen mussten eingeleitet werden, repariert wurde nur noch das Notwendigste.

Wahnwitzigerweise hat die mächtige Gewerkschaft Transport Workers Union 1968 eine großzügige Pensionsregelung durchgesetzt, die eine Verrentung nach nur 20 Dienstjahren ohne jede Übergangszeit vorsah. Daraufhin ließ sich etwa ein Drittel der meist sehr erfahrenen Mitarbeiter sofort in den Ruhestand versetzen – ein dramatischer Mangel an Fachkräften war die Folge.

Wie in ganz New York nahm auch in der Subway in den 1970er Jahren die Kriminalität überhand. Diebstähle, Überfälle, Schießereien und Morde häuften sich. Die Fahrzeuge wurden immer öfter innen wie außen völlig mit Graffiti überzogen oder durch Vandalismus beschädigt. Da sich das New York City Police Department angesichts dessen völlig überfordert sah, reagierte die Öffentlichkeit mit Unbehagen. Die Subway wurde bewusst gemieden.

Um 1980 war schließlich ein neuer Tiefpunkt erreicht: Die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge lag bei einem Zehntel des Normalwerts, ein Drittel des Wagenparks wegen gravierender technischer Mängel still, auf 40 Prozent des Streckennetzes durfte nur noch langsam gefahren werden. Dazu kam noch logistisches Chaos: Ersatzteile fehlten oder wurden in viel zu großen Stückzahlen eingekauft, waren unauffindbar oder konnten aus Mangel an Reparaturkapazitäten nicht eingebaut werden.

In den 1980er Jahren gelang es, ein Finanzierungsprogramm zur Sanierung der Subway einzuwerben. In den 1990er Jahren trug zudem die starke wirtschaftliche Erholung der Stadt zur Verbesserung der Finanzsituation bei. Fahrzeuge wurden generalüberholt, neue Fahrzeuge gekauft; verstärkte Patrouillen und hohe Stacheldrahtzäune um die Betriebshöfe boten einen besseren Schutz gegen Graffiti und Vandalismus. Dazu verbesserten Wartungspläne den Erhaltungszustand der Wagen deutlich. Parallel dazu begann eine umfangreiche Sanierung der Strecken.

Ein weiteres erklärtes Ziel war die Senkung der Kriminalität oder zumindest eine Verbesserung des Sicherheitsgefühls. Dazu fuhren nachts die Bahnpolizei und Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative Guardian Angels in den Zügen Streife. Tatsächlich dauerte es noch bis in die 1990er Jahre, bis die Kriminalität in der Stadt und damit auch in der Subway deutlich zurückging.

Dennoch blieb der Ruf als langsames, verfallenes, dreckiges und unsicheres Fortbewegungsmittel weiterhin an der Subway haften. Insbesondere Verschmutzung, schlechte Beschilderung und stellenweise marode Betriebsanlagen stellen bis heute ein Problem dar. Bauten und Technik blieben seit Eröffnung beinahe unverändert. Trotz umfassender Renovierung zahlreicher Bahnhöfe und Betriebsanlagen innerhalb der letzten 25 Jahre ist ihr sehr hohes Alter überall offensichtlich.

Außerdem haben sich im Laufe der über 100-jährigen Geschichte der Subway derart viele Unfälle ereignet, dass ihr Ruf bis heute darunter leidet. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren kam es zu zahlreichen Vorfällen wegen des schlechten Erhaltungszustands von Fahrzeugen und Betriebsanlagen. Zudem führten gebrochene Wasserleitungen, altersschwache Kabel und die marode Bausubstanz immer wieder zu Zwischenfällen oder Betriebsunterbrechungen.

Die Subway wird trotz allem als integraler Bestandteil des städtischen Lebens New Yorks wahrgenommen. Sie hatte maßgeblichen Einfluss an der städtebaulichen Entwicklung, die anders als in einer typischen US-amerikanischen Großstadt verlief: Stadt und Metropolregion stehen bei Bevölkerungszahl und -dichte weit vor jedem anderen Ballungsraum der USA. Die Verstädterung setzte vorwiegend entlang der Strecken ein, in Manhattan, in der Bronx, in Brooklyn sowie im Süd- und Westteil von Queens. Die Mehrzahl der New Yorker wohnt nicht im typischen US-amerikanischen Eigenheim, sondern in Wohnblöcken und Mietshäusern.
Der Bezirk Staten Island dagegen wurde nicht an die Subway angeschlossen und blieb trotz seiner Nähe zum Stadtzentrum von dieser Entwicklung weitgehend abgeschnitten. Die Insel nennt man daher bis heute etwas abfällig „the forgotten borough“, den „vergessenen Bezirk“.

Die New Yorker Subway ist sicher nicht schön, aber unverzichtbar – und vor allem für Besucher spannend und hochinteressant!

mta.info – offizielle Website
nycsubway.org – Geschichte, Fotos und mehr

Fotos: SPUI, CC 3.0 Error46146

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