Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns

Nach der Empfehlung des Reiseführers „Der Abreiseführer: 88 Städte, die Sie unbedingt verlassen sollten“ darf eine Empfehlung von „Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“, bereits 2005 erschienen, nicht fehlen.

„Unsere Welt ist klein geworden: Eine halbe Tagesreise führt um die halbe Welt; bumsvolle Touristenflieger landen in den entlegensten Winkeln der Erde, und auch die kleinste Fallafelbude in Damaskus ist längst kein Geheimtipp mehr. Wohin also soll sich der rastlose menschliche Entdeckergeist wenden? Vielleicht an einen Ort in unserer Fantasie, vielleicht an das bislang vom Tourismus sträflich vernachlässigte, sagenumwobene Kleinod Osteuropas: Molwanîen. Ein gastfreundliches Land, in dem schon zum Frühstück ein Glas „Zeerstum“ gereicht wird, der traditionelle Knoblauchschnaps, den man allerdings niemals innerlich anwenden sollte. Eine Pilgerstätte für Ornithologen auf der Suche nach der seltenen Molwanîschen Drossel, die jeden Herbst in eindrucksvollem Formationsflug in ihr 2,5 Kilometer entferntes Winterquartier zieht, wobei Tausende sich verirren und vor Erschöpfung verenden. Eine Oase für Liebhaber unberührter Natur, die zu sich selbst finden wollen in Molwanîens „Großen Ebenen“, einer Landschaft, die wegen ihrer unvergleichlichen Ödnis und Langeweile von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Da wollen Sie nicht hin? Da können Sie gar nicht hin, aber Sie werden Ihren Freunden davon erzählen.“

Die australischen Autoren Santo Cilauro, Tom Gleisner und Rob Sitch wollten eine Parodie auf einen Reiseführer schreiben und gleichzeitig alle schlechten Reiseerfahrungen in Europa verarbeiten, ohne ein existierendes Land zu beleidigen. Aufgemacht im Stil eines professionellen Reiseführers, liefert das „Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“ touristische Hinweise und Hintergrundinformationen über das fiktive Land Molwanîen, einen postkommunistischen südosteuropäischen Staat. Die detailreiche Beschreibung offenbart Molwanîen sofort als hässliches Land mit verschrobenen Bewohnern – zu diesem Zweck werden alle gängigen negativen Klischees über die Länder des Balkans und des früheren Ostblocks bemüht. Der Versuch, Molwanîen als Urlaubsziel dennoch schmackhaft zu machen, scheitert kläglich: Mit jeder angepriesenen „Sehenswürdigkeit“ enthüllt der Reiseführer das Land nur immer weiter als einen einzigen touristischen Albtraum.

Höhepunkte des Molwanîen-Projektes waren der Auftritt auf der Internationalen Tourismus-Börse 2005 und der Versuch, am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Hier sollte der „Landesstar“ Zladko „Zlad“ Vladcik 2004 mit der Techno-Ballade Elektronik – Supersonik (Video) und 2005 mit dem düster-rockigen Lied I Am The Anti-Pope / The Conclave (Video) auftreten.

Die Fluggesellschaft Condor trug ihren Teil zum molwanîschen Bekanntheitsgrad bei, indem sie 10.000 Gratisflüge am 1. April 2005 nach Molwanîen anbot und täuschend echte Online-Tickets ausstellte. Der Aprilscherz wurde einen Tag später aufgelöst.

„Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“ wurde ein internationaler Bestseller. Die Internationale Tourismus-Börse in Berlin zeichnete die deutsche Ausgabe im Rahmen der Verleihung der „ITB BuchAwards 2006“ mit einem Sonderpreis aus.

Amazon: „Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“

In der Reihe sind weitere Reiseführer erschienen:
Phaic Tăn – Land des krampfhaften Lächelns
San Sombrèro – Karibik, Karneval und Kakerlaken

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