Las Vegas: die düstere Seite der Glitzerstadt

Las Vegas ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Nevada und vor allem wegen ihrer großen Anzahl an Kasinos weltbekannt. Las Vegas wird jährlich von knapp 40 Millionen Touristen besucht. Neben den Kasinos prägen die Shows den öffentlichen Charakter der Stadt. Zu den in Las Vegas tätigen Künstlern zählten und zählen Musiker wie Elvis Presley, The Rat Pack mit Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin, Céline Dion, Johnny Cash, Elton John und Illusionisten wie Siegfried und Roy, David Copperfield, Criss Angel oder der Cirque du Soleil. Bekannt ist Las Vegas auch für seine große Anzahl an Hochzeitskapellen („Wedding Chapels“), da Nevada außerordentlich unkomplizierte Eheschließungs- (und Scheidungs-) Gesetze hat.

Die erste Siedlung wurde 1854 gegründet, aber schon drei Jahre später wieder aufgegeben. Mitte der 1860er Jahre errichtete die US-Armee das Fort Baker. Dank seiner Quellen wurde Las Vegas zu einem wichtigen Zwischenstopp für Wagentrecks und die Eisenbahn auf ihrem Weg zwischen Kalifornien im Westen und New Mexico im Osten. 1903 verkaufte die Rancherwitwe Helen Stewart für 55.000 US-Dollar einen Großteil ihres Farmgrundstücks an die Eisenbahngesellschaft, welche dieses aufgrund der regen Nachfrage parzellierte und am 15. Mai 1905 für insgesamt 265.000 US-Dollar an Spekulanten und Investoren versteigerte. Die Stadt Las Vegas war damit offiziell gegründet.

Mit dem Bau des Hoover-Staudamms von 1931 bis 1935 und der Legalisierung des Glücksspiels in Nevada 1931 wurde der Grundstein für das schnelle Wachstum der Stadt gelegt. Der Mobster Bugsy Siegel setzte Anfang der 1940er Jahre mit dem Bau der ersten Hotels mit integriertem Spielkasino eine Entwicklung in Gang, die bis heute anhält.

In den 1950er Jahren stieg der Einfluss der US-amerikanischen Cosa Nostra, dem Ableger der originären sizilianischen Mafia. Zahlreiche Hotels wurden von der Cosa Nostra kontrolliert. Teile der Gewinne der Kasinos wurden von den Gangstern abgeschöpft, bevor sie versteuert werden konnten, und landeten bei den Familienbossen, die fernab der Stadt aus Städten wie z. B. Chicago oder Miami die Kasinos kontrollierten.

Das National Crime Syndicate, ein US-amerikanisches Verbrecher-Syndikat, welches in den 1930er in New York City gebildet wurde, hatte Las Vegas sozusagen zur „offenen Stadt“ erklärt. Im Vergleich zu anderen Städten gehörte Las Vegas nicht einer „Familie“ oder einem Verbrecher-Clan – in ihr durfte sich jeder geschäftlich engagieren. Und wie! Die Umstände wurden im Film „Casino“ thematisiert.

Erst Ende der 1970er Jahre flogen die korrupten, kriminellen Vorgänge endgültig auf; eine Reihe erfolgreicher Hausdurchsuchungen begann, die zahlreiche Verhaftungen und Verurteilungen zur Folge hatte.

Nun mussten neue Eigentümer für die Kasinos gefunden werden. Diese Rolle übernahm Howard Hughes, der die bis heute gängigen Business-Modelle einführte und die Gangster langsam verdrängte. In den 1970ern und 1980ern galt die Stadt jedoch als zunehmend heruntergekommen. Eine Trendwende leitete Steve Wynn 1989 mit der Eröffnung des Mirage ein, das wieder neue und vor allem sehr zahlungskräftige Kundschaft anlocken konnte.

In den letzten Jahren wurde von offizieller Seite versucht, das Image der Stadt von „Sin City“ (deutsch: „Stadt der Sünde“) mit Kasinos, Nacktbars und illegaler Prostitution nach „City of Entertainment“ (deutsch: „Stadt der Unterhaltung“) zu ändern, da es das Ziel war, die Stadt auch für Familien mit Kindern attraktiv zu gestalten. Trotzdem ist und war diese Entwicklung ambivalent. Während einerseits viele Shows und Hotels familienfreundlich gestaltet wurden, ist die Rotlichtbranche noch immer allgegenwärtig.

Seit den 1990er Jahren hat Las Vegas einen rasanten Einwohnerzuwachs zu verzeichnen (inzwischen fast 2 Millionen Einwohner im Großraum), was darauf schließen lässt, dass die Stadt ihren Ruf erheblich verbessern konnte. Aber damit werden die Probleme nicht geringer: In einer auf Statistiken des FBI basierenden Liste des Forbes-Magazins wird Las Vegas als die viertgefährlichste Stadt der USA bezeichnet. Hinter den Kulissen der Megaresorts und Themenparks verbirgt sich auch eine triste Schattenwelt aus Süchtigen, Alkoholikern und Kriminellen.

Dennoch ist Las Vegas eine einzigartige Stadt, die man einmal gesehen haben muss.

Fotos: CC 3.0 chensiyuan, Gamut

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