Avenida Corrientes: der Broadway von Buenos Aires

Die Avenida Corrientes ist eine der Hauptdurchgangsstraßen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Sie ist eng verbunden mit der Geschichte des Tango Argentino und identitätsstiftend für die Porteños, die Einwohner von Buenos Aires. Die Avenida Corrientes wird aufgrund der vielen Theatern als „Broadway von Buenos Aires“ und „Straße, die niemals schläft“ bezeichnet.

Wie die parallel verlaufenden Straßen Avenida Santa Fe, Av. Córdoba und Av. San Juan, hat sie ihren Namen nach einer argentinischen Provinz. Die Avenida Corrientes verläuft über 69 Blöcke (ein Block entspricht ca. 110 Metern) von der Avenida Eduardo Madero im östlich gelegenen Stadtteil Puerto Madero Richtung Westen und Nordwesten, und endet an der Avenida Federico Lacroze im Stadtteil Chacarita. Sie ist eine Einbahnstraße, die für Autofahrer von West nach Ost läuft. Die Linie B der U-Bahn verläuft zum größten Teil unter der Avenida.

Im 17. Jahrhundert hieß die Straße „del Sol“, von 1738 bis 1808 „San Nicolás“ und von 1808 bis 1822 „Incháurregui“, seitdem trägt die Avenida Corrientes ihren derzeitigen Namen. Bis ins 19. Jahrhundert war die Straße nur von durchschnittlicher Breite. Nach der Expansion der Stadt Richtung Westen um 1880 nahm der Verkehr rapide zu. 1887 wurde die erste Pferde-Tram auf der Avenida Corrientes eingerichtet, aber diese genügte schon bald nicht mehr den Bedürfnissen.

1910 unterzeichnete der Bürgermeister Joaquín Samuel de Anchorena ein Gesetz zur Verbreiterung. Der Plan sah zahlreiche Abrisse von Gebäuden auf der Nordseite vor, was zu erheblichem Widerstand von betroffenen Eigentümern, Einzelhändlern, aber auch von Intellektuellen führte. Eine Art Staatsstreich 1930 machte jedoch den Weg frei zur Durchführung des Plans.

1936 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die feierliche Eröffnung der „neuen“ Straße fiel mit der Konstruktion des Obelisken auf der Kreuzung mit der Avenida 9 de Julio zusammen, heute eines der Wahrzeichen der Metropole.

Der Obelisk ist ein 67 Meter hohes Denkmal, welches im Mai 1936 anlässlich des 400-jährigen Stadtgründungsjubiläums errichtet wurde. Der Obelisk wurde von Alberto Prebisch geplant und in weniger als vier Wochen errichtet. Er befindet sich an der Stelle der 1773 errichteten Kirche San Nicolás, die abgerissen wurde, als 1936 die Bauarbeiten für die Avenida 9 de Julio begannen. Der Obelisk ist begehbar, 206 Stufen führen zur Spitze, wo man durch vier Fenster Ausblick hat.

Heute ist die Asociación Amigos de la Calle Corrientes („Freundeskreis der Avenida Corrientes“) eine Vereinigung zur städtebaulichen Planung der Straße. Sie hat bisher Gedenktafeln an 40 Straßenecken angebracht, die an bedeutende Persönlichkeiten aus der Geschichte des Tangos erinnern.

Die Avenida durchquert mehrere, zum Teil sehr unterschiedliche Stadtteile. Once ist ein ehemals jüdisches Viertel, bekannt für Textil-Groß- und Einzelhandel, heute Heimat für andere Nationalitäten, u. a. Koreaner und Peruaner. In Abasto, hinter der Avenida Pueyrredón, hat der Tangosänger Carlos Gardel gelebt. Vor einigen Jahren noch eine recht baufällige Gegend, erlebt sie mittlerweile ein Comeback. Der Name leitet sich von dem ehemaligen Obst- und Gemüsemarkt ab, in dem heute das größte Einkaufszentrum der Stadt (Abasto) untergebracht ist. Almagro ist ein ruhiges Wohnviertel, geprägt von Mehrfamilienhäusern. Das Zentrum des Viertels ist die Kreuzung der Avenidas Medrano und Rivadavia. Villa Crespo ist eine weitere jüdische Nachbarschaft. Hier spielt ein Großteil des Romans „Adán Buenosayres“ von Leopoldo Marechal.

Fotos: CC 2.0 Alex Proimos, CC 3.0 Roberto Fiadone

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