Kolumbiens Hauptstadt Bogotá: Prädikat sehenswert

Bogotá hat man sicherlich schonmal gehört: die Hauptstadt Kolumbiens. Die Metropole gilt allerdings als gesichtslos und natürlich gefährlich, Kolumbien eben.

Richtig ist, dass es in Teilen Kolumbiens noch immer bewaffnete Konflikte zwischen Guerilla, paramilitärischen Einheiten, dem Militär und Drogenkartellen gibt. Richtig ist, dass es an den Rändern der Metropolen stetig wachsende Elendsviertel gibt. Richtig ist aber auch, dass sich die Situation außerhalb dieser Gebiete dramatisch gebessert hat, dass die Drogenproduktion stark gesunken ist und sich das Land mit seinen schönen Stränden und sehenswerten Städten zu einem Reiseziel entwickelt.

Die Hauptstadt Bogotá liegt in einer fruchtbaren Hochebene der Anden, der Sabana de Bogotá, 2.640 Meter über dem Meeresspiegel, am Fuß der zwei Kordillerenberge Guadalupe (3.317 Meter) und Monserrate (3.152 Meter). Mit seinen 7 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und 9 Millionen in der Agglomeration ist Bogotá der größte städtische Ballungsraum Kolumbiens und außerdem eine der am schnellsten wachsenden Metropolen Südamerikas (1905 hatte die Stadt noch 100.000 Einwohner). Bogotá ist Verkehrsknotenpunkt sowie wichtigstes Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes mit Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern.

Kolumbiens Hauptstadt ist traditionell ein wichtiges Zentrum für Kunst und Kultur im nördlichen Südamerika. La Candelaria, die Altstadt Bogotás, ist mit ihren historischen Gebäuden und Plätzen von besonderem kulturellen und touristischen Wert. Um die Plaza Bolívar sind viele öffentliche Gebäude und Kirchen angesiedelt. Das kulturelle Leben wurde von drei großen katholischen Orden – den Dominikanern, Franziskanern und den Jesuiten – entscheidend geprägt. Diese drei Orden prägten auch die städtische Architektur, indem sie zahlreiche Kirchen und Klöster bauten.

Die monumentale Plaza Bolívar wird von drei großen Gebäudekomplexen dominiert: von der 1823 vollendeten klassizistischen Kathedrale mit der angeschlossenen „Capilla del Sagrario“, dem „Capitolio Nacional“ mit einer mächtigen Säulenhalle und der „Alcaldía de Bogotá“. Beide Paläste sind im Stil des Klassizismus erbaut, wobei letzterer deutlich den französischen Einfluss zeigt. Auf dem in der Nähe gelegenen Monserrate befindet sich der Schrein von Monserrate.

Der Betonbau des Justizpalasts, der die Nordseite der Plaza Bolívar einnimmt, erinnert daran, dass sich dort 1985 dramatische Szenen abgespielt haben: Der frühere Justizpalast war in einer spektakulären Aktion von Guerilleros besetzt worden, die sich dort mit mehreren Geiseln verschanzten – woraufhin der Palast derart zerschossen wurde, dass ein Neubau an gleicher Stelle errichtet wurde.

Die Theater der Stadt bieten eine Vielzahl von Aufführungen und Musikdarbietungen. Zu den wichtigsten Theatern gehören das „Teatro Nacional“ (Nationaltheater), das „Teatro Jorge Eliécer Gaitán“ (Theater der Stadt Bogotá), das „Teatro Colón“ (Kolumbus-Theater) und das „Teatro La Candelaria“.

In Bogotá gibt es mehr als 60 Museen und ebenso viele Galerien. Neben dem Nationalmuseum und dem „Museo de Arte Colonial“ gehört das 1938 eröffnete „Museo del Oro“ zu den wichtigsten Museen der Stadt. Es beherbergt mit 38.000 Exponaten die weltweit wichtigste Sammlung präkolumbischer Goldkunstwerke. In einem 360-Grad-Schaufenster sind goldene Sonnen, Pflanzen und Tierfiguren, die im Dunkeln leuchten, in künstliche Landschaften eingebettet. Viele der Exponate stammen von der sogenannten Eldorado-Lagune von Guatavita. Dort fanden die Konquistadoren im Jahre 1560 zahlreiche Tierarten aus Gold: Affen, Fische, Kröten und auch Kaimane.

Der Simón-Bolívar-Park (Parque Metropolitano Simón Bolívar) ist einer der größten städtischen Parks der Welt. Besonders sehenswert sind auch der Botanische Garten (Jardín Botánico) und der Nationalpark (Parque Nacional), ein Ort zahlreicher kultureller Veranstaltungen. Im El Tunal-Park werden jeden Sommer Festivals der lateinamerikanischen Rockmusik veranstaltet.

In Bogotá tut sich viel: Auf der Architekturbiennale von Venedig 2006 ist die Stadt für Ihre Bemühungen, sich lebenswerter zu machen, mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Die Bemühungen fruchten, sind aber auch radikal. Im Stadtteil Santa Inés, in der Nähe des Zentrums von Bogotá, befand sich die berüchtigte „Calle del Cartucho“, das sogenannte „Flicken-Viertel“, welches laut der Zeitschrift Stern zu den drei gefährlichsten Straßen der Welt gehörte. In diesem Stadtteil lebten mehr als 5.000 Menschen, von denen über 70 % bereits eine oder mehrere Gefängnisstrafen verbüßt hatten. Stadtstreicher, Bettler, Obdachlose, Prostituierte, Straßenkinder, Drogenhändler und Abfallverwerter kämpften um das tägliche Überleben und konsumierten häufig Basuco, eine crackähnliche Variante des Kokains. Im Jahr 2006 wurden alle Häuser im Viertel abgerissen und an der Stelle ein Park errichtet. Erwähnen muss man in diesem Zusammenhang aber auch, dass man sich auch um die Infrastruktur von Elendsvierteln am Stadtrand kümmert.

Auch außerhalb der Stadt gibt es viel zu sehen. Einen Besuch wert ist der „Salto del Tequendama“ (Tequendama-Wasserfall), an dem der Rio Bogotá über eine Felsenschlucht in den 145 Meter darunter liegenden Dschungel der Anden herabstürzt. Leider ist der Fluss stark verschmutzt. Etwa 20 Kilometer südlich von Bogotá befindet sich der „Parque Natural de Chicaque“, zwischen 2.100 und 2.720 Metern Höhe gelegen, mit einer Fläche von ca. 300 Hektar. Ein System von Wanderwegen mit etwa 15 Kilometern Gesamtlänge durchzieht diesen in der sogenannten Nebelwaldzone gelegenen Naturpark, der hoch über dem Nordufer des Rio Bogotá liegt. In Zipaquirá, 25 Kilometer nördlich von Bogotá, befindet sich in der „Sabana de Bogotá“ eine einzigartige unterirdische Salz-Kathedrale, die zu den größten der Welt gehört. Etwa 30 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums liegt die Lagune von Guatavita, der kleine Bergsee, der aufgrund des Eldorado-Mythos berühmt wurde.

Fotos: CC 3.0 Pedro Felipe, CC 3.0 Haakon S. Krohn, CC 2.0 Lugares do Mundo/Luis Esnal, CC 3.0 Pedro Felipe, CC 2.0 FranciscoA. ZeaB.

2 Kommentare
  1. Dennis
    Dennis says:

    Super Artikel über Bogota! Ich glaube bei meinem nächsten Südamerika besuch werde ich mal den Norden erkunden gehen und dann die Städte Bogota und Caracas bereisen!

    LG

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.