Blumenau: Deutschland in … Brasilien

Blumenau wurde 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau gegründet und ist neben Joinville und Brusque eines der drei Zentren der deutschen Kolonisation im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina, in dem viele Menschen deutscher Abstammung sind.

Blumenau liegt etwa 50 Kilometer von der Küste des Atlantiks entfernt, zwischen Joinville im Norden und der Hauptstadt Florianópolis im Süden, im Tal des Itajaí. Durch die hügelige Umgebung sowie den Fluss ist die bewohnbare Fläche sehr begrenzt.

Ungefähr in den ersten 100 Jahren nach der Gründung der Kolonie war Deutsch die vorherrschende Sprache in Blumenau. Sie wurde zunächst als einzige Sprache verwendet, da die ersten Kolonisten ausschließlich aus Deutschland kamen. Mit zunehmender Einwanderung aus anderen europäischen Ländern und brasilianischer Binnenwanderung wurden in Blumenau auch andere Sprachen (insbesondere Italienisch und Polnisch) gesprochen. Sie waren aber auf die jeweiligen Einwanderer begrenzt. Als lingua franca galt in Blumenau und in der ganzen Region Deutsch. Die deutschsprachigen Auswanderer und deren Nachfahren verfügten über eine gute Infrastruktur aus Schulen, Vereinen, Theatern und ähnlichen Einrichtungen.

Mit der Politik des Estado Novo (1937–1954) unter dem Präsidenten Getúlio Vargas wurde in Brasilien eine Nationalisierungskampagne durchgeführt, die auch die deutschsprachige Gemeinschaft betraf, da der Staat den Assimilierungsprozess forcierte. Obwohl heute Portugiesisch die vorherrschende Sprache in Blumenau ist, hat sich in Teilen der Bevölkerung Deutsch als Umgangssprache erhalten.

Ein wichtiger Wirtschaftsbereich für die Stadt wie auch für die gesamte Region ist der Tourismus, dessen Schwerpunkt in dem für Brasilien eher untypischen Angebot an deutscher Gastronomie und Kultur liegt. 1983 wurde in Anlehnung an das Münchener Original das erste Oktoberfest in Blumenau abgehalten. Anlass hierfür war der Bedarf an Finanzmitteln für die notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen nach der großen Überschwemmung 1983. In den letzten Jahren hat sich das Fest mit über 600.000 Besuchern als das nach dem Karneval in Rio zweitgrößte Volksfest Brasiliens etabliert. Dies hat den Bekanntheitsgrad der Stadt auch in Deutschland gesteigert, was auch im Hinblick auf den Tourismus von Bedeutung ist.

Zur Attraktivität tragen auch die mit Fachwerkfassaden versehenen Gebäude bei. Das 1978 eröffnete Haus Moellmann ist eine überdimensionierte Replik des 1484 erbauten Rathauses von Michelstadt im Odenwald in Hessen. Die bei vielen Besuchern so beliebten Fachwerkhäuser stammen meist aus neuester Zeit.

Fotos: CC3.0 Diegocadorin, CC 2.0 Marlon Hammes, Maurício Cardim / AgênciaFM

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