Die heilige Stadt: Jerusalem

Jerusalem, die Hauptstadt Israels mit rund 770.000 Einwohnern, liegt in den Judäischen Bergen zwischen Mittelmeer und Totem Meer. In der Stadt befinden sich der Sitz des Präsidenten, die Knesset, das Oberste Gericht und Exekutive Israels, die 1918 gegründete Hebräische Universität und die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Jerusalem wurde um 1800 v. Chr. erstmals erwähnt.

Jerusalem wird von Juden, Christen und Moslems als heilige Stadt angesehen. Das statistische Jahrbuch von Jerusalem listet 1.204 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen im Stadtgebiet.

Seit dem 10. vorchristlichen Jahrhundert ist Jerusalem den Juden als Ort des Salomonischen und Zweiten Tempels heilig. Im Alten Testament wird die Stadt 632-mal erwähnt. Immer wieder steht Jerusalem im Mittelpunkt der Heils- und Gerichtsankündigungen des biblischen Gottes, so vor allem bei den Propheten Daniel, Jeremia, Jesaja, Ezechiel, Sacharja und den Psalmen. Sowohl die Stadt Jerusalem als auch das Land und Volk Israels stellt die Bibel als Gottes Eigentum dar. Bedeutsam ist hier die literarische Darstellung Jerusalems als ein Findelkind, welches von Gott aufgezogen wird, sowie die Zusagen Gottes an die Stadt in den Psalmen, die wie Eheversprechen formuliert sind. Heute ist die Klagemauer, die westliche Umfassungsmauer des Tempelbezirks, ein heiliger Ort für Juden – nur der Tempelberg selbst übertrifft sie an Bedeutung. Der Toraschrein von Synagogen weltweit befindet sich traditionell an der Wand, die Jerusalem zugewandt ist. Der Ort des Toraschreins von Synagogen in Jerusalem selbst richtet sich nach dem Allerheiligsten. Wie in der Mischna beschrieben und im Schulchan Aruch kodifiziert, werden die täglichen Gebete im Judentum in Richtung Jerusalems und des Tempelberges verrichtet.

Den Christen ist Jerusalem heilig, da es der Ort der Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus ist. Über 100-mal wird Jerusalem im Neuen Testament erwähnt. Nach der Bibel wurde Jesus kurz nach seiner Geburt in die Stadt gebracht, hier hat er Opfertierhändler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben, hier fand das Abendmahl statt. Gleich außerhalb der Stadt soll Jesus gekreuzigt und begraben worden sein. Der wahrscheinliche Ort liegt heute innerhalb der Stadtmauern. Aus christlicher Sicht ist die Grabeskirche die heiligste Stätte Jerusalems und der Welt. Diese multi-christliche Kirche besitzt über 30 Kapellen, verteilt auf mehrere Stockwerke, die sich Katholiken, Griechisch-Orthodoxe, Armenier, Äthiopier, Syrer und Kopten teilen. Hier liegen das Grab Christi und Golgatha, der Ort, an dem er gekreuzigt wurde. Es ist für jeden möglich, sich über Nacht in die Kirche einschließen zu lassen und die fantastische Atmosphäre des Glaubens und der Verehrung zu genießen.

Im Gegensatz zur Bibel und dem Tanach erwähnt der Koran Jerusalem kein einziges Mal, aber die Stadt wird dennoch von den Moslems beansprucht.

Die Altstadt von Jerusalem wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Sie ist seit dem Mittelalter in das jüdische Viertel im Südosten, das christliche im Nordwesten, das armenische im Südwesten und das muslimische Viertel im Nordosten unterteilt und wird von einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die Mauer der alten Stadt Davids umfasst mehrere Türme sowie ursprünglich sieben Tore, davon drei große und vier kleine, und wurde 1889 durch ein achtes ergänzt.

Das jüdische Viertel ist ein faszinierendes Sammelsurium der über 2.000jährigen jüdischen Geschichte Jerusalems – ein lebendiger Ort, der auch zum Verweilen einlädt und mit bezaubernden kleinen Plätzen aufwartet. Das christliche und armenische Viertel ist der Ruhepol der Altstadt und beinhaltet Kirchen, Patriarchate und Hospize aller christlicher Konfessionen. Das muslimische Viertel stellt das ärmste Viertel Jerusalems dar. Es bietet jedoch viele jüdische und christliche Sehenswürdigkeiten.

Mea Shearim, außerhalb der Altstadt gelegen, ist das Viertel der ultraorthodoxen Juden und nur minimal mit der Außenwelt verbunden. Nach dem Betreten fühlt man sich ins 18. Jahrhundert zurückversetzt. Kleidung, Verhalten und Gewohnheiten sind streng konservativ: Besucher sollten also darauf achten, dies zu respektieren.

Im Norden, Westen und Süden der Altstadt breitet sich die Neustadt von Jerusalem aus, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Sie erstreckt sich über die umliegenden Hügel und weiter bis in das wüstenhafte Umland der Stadt. Die modernen Wohn- und Geschäftsgebäude und die breiten Straßen der Neustadt bilden einen starken Kontrast zu den einfachen Behausungen und engen Gassen der Altstadt. In der Neustadt befinden sich die Knesset (das israelische Parlament) und zahlreiche weitere bedeutende staatliche Einrichtungen. Dazu gehören das Außenministerium, das Innenministerium, der Sitz des Premierministers und das Finanzministerium.

Der zutiefst beeindruckende Ort der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem breitet sich auf dem Herzlberg aus und sollte mit Ruhe betreten werden. Yad Vashem bedeutet in seiner deutschen Übersetzung „Denkmal und Name“. Diese Bezeichnung geht auf den Propheten Jesaja 56,5 zurück, der da schrieb: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“

Fotos: CC 3.0 Jfragments, CC 3.0 Berthold Werner, CC 3.0 Sustructu, CC 2.5 Daniel Maleck Lewy

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