Die Magie der Blauen Stunde

Die Blaue Stunde bezeichnet die Zeit der Dämmerung vor Sonnenaufgang sowie zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit. Während dieser Zeit ist der Himmel tiefblau und hat etwa dieselbe Helligkeit wie das künstliche Licht von Gebäude- und Straßenbeleuchtungen. Tiefblau ist der Himmel auch bei Bewölkung, denn das Blau hat eine andere physikalische Ursache als bei Tage.

Verursacht wird das tiefe Blau nicht etwa durch die Rayleigh-Streuung, die für das Himmelsblau während des Tages verantwortlich ist. Im Gegenteil: In der Blauen Stunde wird der kurzwellige blaue Anteil des Sonnenlichts auf dem langen Weg durch die Erdatmosphäre herausgestreut und der Himmel müsste eigentlich grau bis schwarz erscheinen. Dieses Phänomen wurde erst 1952 von dem US-amerikanischen Geophysiker Edward Hulburt entdeckt und wird die “Blaue Stunde des Ozons” genannt. Tatsächlich wird der blaue Himmel bei Sonnenauf- und untergang vor allem durch das Vorhandensein der Ozonschicht in 20 bis 30 Kilometern Höhe über dem Erdboden verursacht. Das Blau entsteht also aufgrund des speziellen Absorptionsverhalten des Ozons.

Physikalisch beschreibt die Farbtemperatur die geänderten Beleuchtungsverhältnisse. Während die Sonne eine Farbtemperatur von ca. 5.500 K hat, beträgt die des blauen Himmels zwischen 9.000 K und 12.000 K. Am Tage mischen sich diese beiden Lichtquellen zum typischen Tageslicht mit einer Farbtemperatur von 6.500 K. In der blauen Stunde entfällt das direkte Sonnenlicht, übrig bleibt das Himmelsblau. Der höhere Blauanteil des Himmelslichts lässt sich auch tagsüber im Schatten beobachten.

Die Dauer der Blauen Stunde beträgt zwischen 20 Minuten in den Tropen, 30 Minuten (Tag-und-Nacht-Gleiche) bis 50 Minuten (Sonnenwende) in Mitteleuropa, bis zu 5 Stunden in den Weißen Nächten und theoretisch zwei Wochen an den Polen. Für Fotografen gibt es im Internet sogar Dämmerungsrechner.

In der Fotografie wird die Blaue Stunde für so genannte Available-Light-Aufnahmen und die Nachtfotografie genutzt. Gegenüber Aufnahmen bei absoluter Dunkelheit ist dadurch auch die Umgebung leicht erhellt und somit besser sichtbar, die Kontraste zwischen Hell und Dunkel sind abgemildert und die Bilder weisen eine interessante Stimmung auf. Die unterschiedlichen Farbtemperaturen (Blau des Himmels, Orange der Glühbirnen, Türkis der Leuchtstoffröhren) machen solche Fotos ungewöhnlich bunt. Dieser Effekt wird durch die notwendige lange Belichtungszeit noch verstärkt.

Bei Flickr gibt es eine Gruppe mit 500 Mitgliedern, die fast 2.000 Fotos zusammengetragen hat. Zu den Fotos: Blue Hour Group

Fotos: CC 3.0 Sujit kumar, CC 3.0 Thomas Wolf (Der Wolf im Wald)

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