Chicago: Geburtsort der Wolkenkratzer

Chicago ist mit 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der USA und liegt am Südwestufer des Michigansees im Bundesstaat Illinois. In der Agglomeration leben 8,7 Millionen, in der Metropolregion 9,7 Millionen Menschen.

Chicago ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Handelsstadt. Die Lage an der Mündung des Illinois Waterways, der die Großen Seen (die über den Sankt-Lorenz-Seeweg bzw. Eriekanal mit dem Atlantik und New York City verbunden sind) mit dem Mississippi River und dem Golf von Mexiko verbindet, sowie als Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnstrecken, auf denen die West- mit der Ostküste verbunden werden, haben diese Funktion begünstigt.

Chicago gilt als Geburtsort der Wolkenkratzer, da hier mit dem zehnstöckigen „Home Insurance Building“ 1885 das erste Haus mit Stahlskelett errichtet wurde. Das Zentrum Chicagos beeindruckt mit seiner Hochhausarchitektur aus mehr als einem Jahrhundert. Es wird als „The Loop“ bezeichnet, da es von der „El“ genannten Hochbahn der städtischen Verkehrsgesellschaft CTA umrundet wird.

Im Finanzzentrum befinden sich das Art-Déco-Hochhaus der „Chicago Board of Trade“, wo die Hälfte der weltweiten Weizen- und Maisernte gehandelt wird, und die „Chicago Mercantile Exchange“. Dort werden kostbare Metalle, bewegliche und unbewegliche Güter im Wert von ungefähr 50 Milliarden US-Dollar pro Tag gehandelt.

The Rookery, 1886 von Daniel Hudson Burnham und John Wellborn Root erbaut, zählt zu den berühmtesten und meistfotografierten Bauten der Stadt. Das maurisch-gotische Äußere lässt nicht vermuten, dass sich im Inneren eine lichtdurchflutete Eingangshalle befindet. In der Nähe steht die Continental Illinois Bank, die mit 28 ionischen Marmorsäulen und Wandgemälden geschmückt ist.

Das Reliance Building könnte während der Art-Déco-Zeit in den 1930er Jahren entstanden sein, wurde jedoch schon 1895 nach einem Entwurf von Daniel Burham fertiggestellt. Burham bestimmte das Gesicht von Chicago ganz entschieden – sein Fisher Building mit maritim inspirierten Terrakottafiguren steht in der 343 South Dearborn Street. Einen Häuserblock weiter südlich befindet sich das Manhattan Building von William LeBaron Jenney aus dem Jahre 1890, das erste Gebäude mit 16 Stockwerken. Von hier aus am Westufer des Flusses entlang erstreckt sich ein neu belebtes Stück Uferpromenade mit Straßencafés und Parks.

An der North Michigan Avenue steht eines der ältesten Gebäude Chicagos, der 1869 erbaute Old Water Tower (Alter Wasserturm). Das an ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert erinnernde Kalksteingebäude ist ein Wahrzeichen der Stadt und beherbergt inzwischen Chicagos Tourismus-Information. Das steinerne Schloss wird überragt von einem 30 Meter hohen Turm. Gegenüber auf der anderen Straßenseite steht die dazugehörige Pump Station. Beide gehören zu den wenigen Gebäuden, die den Großen Brand von 1871 überstanden haben. Nur wenige Schritte vom Old Water Tower entfernt befindet sich der Water Tower Campus der katholischen Loyola University Chicago. Er beherbergt die Fachbereiche für Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft.

Auch Ludwig Mies van der Rohe prägte die Architektur der Stadt. Am Ufer des Chicago River steht ein Gebäude, welches allgemein als sein Meisterwerk angesehen wird: das IBM Building von 1971. An seinem sanften Licht- und Schattenspiel zwischen Bronze und Rauchglas haben sich weltweit unzählige Architekten orientiert. Weitere Gebäude Mies van der Rohes sind unter anderem die Lake Shore Drive Apartments (zwei identische Türme mit außenseitiger Stahlrahmenkonstruktion), das Federal Center (drei Gebäude mit großem Platz und roter Skulptur) und mehrere Gebäude für das Illinois Institute of Technology, beispielsweise die Crown Hall, eine Kombination aus Stahl und Glas.

Nach Plänen Helmut Jahns entstand zwischen 1979 und 1983 das State of Illinois Center. Das 94 Meter hohe Regierungsgebäude aus Granit und Stahl beherbergt um die zentrale Rotunde angeordnet Büros, Geschäfte, Restaurants und Galerien. Am 10. Mai 1993 wurde es nach dem ehemaligen Gouverneur James Thompson benannt.

Sehenswert sind auch das Wrigley Building (im Auftrag des gleichnamigen Wrigley-Kaugummikonzerns erbaut), der Tribune Tower, die Green Mill (Stammkneipe des Gangsters Al Capone, noch immer im Stil der 1920er Jahre eingerichtet), das 1920 am Lincoln Park eröffnete Drake Hotel und die Zwillingstürme der Marina City, die später als Vorlage des Augsburger Hotelturms dienten.

Am 233 South Wacker Drive befindet sich das höchste Gebäude Chicagos, der 442 Meter hohe Willis Tower (vormals Sears Tower), der 1974 fertiggestellt wurde. Mit dieser Höhe ist er auch der höchste Wolkenkratzer in den Vereinigten Staaten. Mit Antennen misst das Bauwerk sogar 527 Meter und ist damit die fünfthöchste freistehende Konstruktion der Erde. Im 103. Stockwerk beinhaltet der Willis Tower eine 412 Meter hohe Aussichtsplattform inklusive Glasbalkonen an der Außenfassade.

Das zweithöchste Gebäude in Chicago ist der 423 Meter hohe Trump International Hotel and Tower, der erst 2009 eröffnet wurde (357 Meter bis zum Dach, die Spitze zählt zur Höhe mit). Weitere hohe Gebäude sind das Aon Center mit 346 Metern und das 344 Meter hohe John Hancock Center (mit Antennen sogar 457 Meter).

Weitere nennenswerte Hochhäuser sind das AT&T Corporate Center (307 Meter, Fertigstellung 1989), Two Prudential Plaza (303 Meter, 1990), 311 South Wacker Drive (293 Meter, 1990), 900 North Michigan (265,5 Meter, 1989) und der Water Tower Place (262 Meter, 1976).

2007 begann der Bau des 610 Meter hohen Chicago Spire am Ufer des Michigansees. Ende 2008 wurden die Bauarbeiten an dem Turm eingestellt – Wiederaufnahme sowie Vollendung sind nicht abzusehen.

Fotos: CC 3.0 Daniel Schwen, Gppande, CC 3.0 james keenan, CC 3.0 JeremyA

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