Die 10 höchsten Fernsehtürme Europas

Fernseh- oder Fernmeldetürme sind meist röhrenförmige Türme in schlanker Stahlbetonbauweise, von denen Hörfunk- oder Fernsehsignale ausgesendet werden. Fernsehtürme sind vielfach für den Publikumsverkehr geöffnet und bieten neben Aussichtsplattformen auch Restaurants oder Cafés. Besonders in Europa hat der Bau von Fernsehtürmen Tradition.

Hier finden Sie die 10 höchsten Fernsehtürme Europas.

Ostankino-Turm – Moskau, Russland: 540 m

Der Fernsehturm Ostankino (russisch Останкинская телебашня) ist ein Funk- und Fernsehturm in Moskau. Er war mit einer Höhe von ursprünglich 537 Metern seit seiner Fertigstellung 1967 bis 1975 das höchste freistehende Bauwerk der Welt. Nach dem Tōkyō Sky Tree, dem CN Tower und dem Canton Tower ist er der vierthöchste Fernsehturm der Welt. Der acht Kilometer nördlich des Stadtzentrums stehende Turm wurde ab 1963 nach einem Entwurf von Nikolai Wassiljewitsch Nikitin errichtet und war bis zu einem ersten Brand im August 2000 für rund 200.000 Besucher jährlich eine Attraktion. Nach Renovierungsmaßnahmen ist er seit 2009 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Fernsehturm Kiew – Kiew, Ukraine: 385 m

Der Fernsehturm Kiew (ukrainisch Київська телевежа/Kyjiwska telewescha) ist ein 385 Meter hoher Fernsehturm für UKW und Fernsehen. Der Fernsehturm von Kiew wurde im Jahre 1973 fertiggestellt und ist der höchste freistehende Stahlfachwerkturm der Welt. Architektonische Besonderheit sind die vier rund 100 Meter hohen Stützpfeiler. Der Schaftdurchmesser beträgt 4 Meter und besteht aus einer Stahlfachwerkkonstruktion von 12 Millimeter dicken Rohren. Eine weitere Besonderheit ist das Fehlen von Nieten; die gesamte Stahlkonstruktion wurde geschweißt. Ursprünglich wurde der Turm für die damalige sowjetische Hauptstadt Moskau entworfen. Die Moskauer Behörden bevorzugten allerdings einen beständiger aussehenden Baukörper und entschieden sich für die Form, die heute im Fernsehturm Ostankino zu sehen ist. Später benötigte Kiew seinen eigenen Sendeturm. Die Regierung beauftragte die Ingenieure das Projekt, welches ursprünglich für Moskau vorgesehen war, für Kiew aufzunehmen mit der Auflage, dass die Höhe des Turm um mindestens 30 % zu reduzieren sei, damit dieser nicht so hoch wie der Moskauer Turm werden solle.

Fernsehturm Riga – Riga, Lettland: 368,5 m

Der Fernsehturm Riga (lettisch Rīgas radio un televīzijas tornis) ist mit einer Höhe von 368,5 Metern das höchste Bauwerk der lettischen Hauptstadt Riga. Er ist der höchste freistehende Fernsehturm in der Europäischen Union und gehört damit auch weltweit zu den höchsten Fernsehtürmen. In einer Höhe von 97 Metern befindet sich die Aussichtsplattform, von der man fast die gesamte Stadt sehen kann. Auf 137 Metern befindet sich eine weitere Aussichtsplattform, die allerdings nicht immer öffentlich zugänglich ist. Bei gutem Wetter sieht man auch den Rigaischen Meerbusen und die umliegenden Städte. Bis vor einiger Zeit gab es auf einer Höhe von 93 Metern auch ein Restaurant mit Namen Vēja Roze („Windrose“). Zurzeit ist es geschlossen, die Betreibergesellschaft des Turms sucht nach einem Investor, um es wieder herzurichten.

Berliner Fernsehturm – Berlin, Deutschland: 368 m

Der Berliner Fernsehturm ist mit 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands und das vierthöchste nicht abgespannte Bauwerk Europas. Er wurde im historischen Zentrum Berlins im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) direkt neben der mittelalterlichen Marienkirche in Nachbarschaft zum Roten Rathaus und unmittelbar westlich des Alexanderplatzes errichtet. Der Turm gehört zur World Federation of Great Towers. Für Besucher sind zwei Etagen im Inneren der Kugel zugänglich: die Aussichtsetage und das Telecafé. Zwei Lifte fahren innerhalb von 40 Sekunden in die Kugel und enden auf Höhe der Panoramaetage. In der darüber liegenden Etage befindet sich auf einer Höhe von 207,5 Metern das Telecafé genannte Turmrestaurant.

Gerbrandytoren – Lopik, Niederlande: 366,8 m

Gerbrandytoren (falsch auch als Grandbrandytoren oder Grandbrandy Tower bezeichnet) ist das höchste Bauwerk der Niederlande. Der Turm steht zwischen Lopik und IJsselstein (in der Nähe von Utrecht) und ist als Hybridturm ausgeführt: Er besteht aus einem 100 Meter hohen Stahlbetonturm, auf dem ein abgespannter Stahlrohrmast aufgesetzt ist. Benannt ist er nach Pieter Sjoerds Gerbrandy, einem ehemaligen Ministerpräsidenten und späteren Nozema-Vorsitzenden in den 1950er Jahren. Nach dem Bau 1961 betrug die Gesamthöhe 382,5 Meter; 1987 wurde er auf 375 Meter gekürzt. Am 2. August 2007 erfolgte im Zuge der Ersetzung der alten Fernsehantenne für Analogfernsehen durch eine solche für DVB-T eine weitere Reduzierung der Höhe auf 366,8 Meter. Der Turm verbreitet Fernseh- und Rundfunkprogramme im UKW-Bereich und ist nicht mit dem Sendemast des Mittelwellensenders Lopik zu verwechseln. Zur Weihnachtszeit verwandelt sich der Gerbrandytoren durch in den Pardunen aufgehängte Lampen in den höchsten Weihnachtsbaum der Welt. Wenige Kilometer südwestlich des Gerbrandyturms befindet sich ein Messmast des niederländischen Wetterdienstes.

Europaturm – Frankfurt am Main, Deutschland: 337,5 m

Der Europaturm (inoffiziell Ginnheimer Spargel) ist der Fernmeldeturm in Frankfurt am Main und mit 337,5 Metern Höhe der zweithöchste Fernsehturm Deutschlands. Mit dem Bau des vom Architekten Johannes Möhrle unter Mitarbeit von Peter Metzger und Erwin Heinle geplanten Turms wurde 1974 begonnen. Fünf Jahre später konnte er erstmals in Betrieb genommen werden. Zu dieser Zeit war er mit einer Höhe von 331 Metern das höchste freistehende Bauwerk der Bundesrepublik Deutschland. Seit der Wiedervereinigung 1990 besitzt die Bundesrepublik mit dem Berliner Fernsehturm noch ein ca. 30 Meter höheres Bauwerk, dies allerdings nur, da dieser eine wesentlich längere Antenne hat als der Europaturm. Beachtet man nur die Höhe der Bausubstanz (also ohne Antenne), ist der Ginnheimer Spargel bis heute das größte freistehende Bauwerk in Deutschland. Auch die Kanzel des Frankfurter Turms hängt rund 20 Meter höher als beim Berliner Exemplar.

Fernsehturm Emley Moor – Emley Moor, Großbritannien: 330,5 m

Der Fernsehturm Emley Moor (früher NTL Tower) ist ein 330,5 Meter hoher, für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Fernsehturm in Yorkshire. Er ist nach dem Sender Belmont das zweithöchste Bauwerk im Vereinigten Königreich und das höchste frei stehende Bauwerk. Der 274,32 Meter hohe Betonschaft verjüngt sich von 24,4 Meter Durchmesser auf etwa 6 Meter und steht auf einem 6,1 Meter tiefen Ringfundament aus Sandstein. Der insgesamt über 11.000 Tonnen schwere Turm wirkt wie ein schlanker Schornstein, da sein verhältnismäßig kleiner Turmkorb auf 275 Metern Höhe kaum auffällt. Der Turmkorb hat einen Durchmesser von nur 6,5 Meter bei einer Wanddicke von 35 Zentimetern. Der Turm wird von einer 56 Meter hohen Antenne aus Stahl abgeschlossen. Das Vereinigte Königreich klassifizierte 2002 den Fernsehturm Emley Moor mit Stufe 2 der „listed buildings“, einer Liste, die architektonisch oder geschichtlich signifikante Bauwerke führt und damit unter Denkmalschutz steht.

Fernsehturm Vilnius – Vilnius, Litauen: 326,47 m

Der Fernsehturm Vilnius (litauisch Televizijos bokstas) ist ein 326,47 Meter hoher Sendeturm für die Verbreitung von UKW und TV-Programmen in Vilnius, der litauischen Hauptstadt. Der Fernsehturm Vilnius besitzt in 165 Metern Höhe eine für den Publikumsverkehr geöffnete Aussichtsplattform und liegt ca. 3 Kilometer westlich vom Stadtzentrum entfernt. Baubeginn des Stahlbetonturms war 1974, die Eröffnung erfolgte am 30. Dezember 1980. Zu Weihnachten wurde der Turm in den letzten Jahren mit über 25.000 Glühlämpchen als „Weihnachtsbaum“ geschmückt. Während der Loslösung der baltischen Republiken von der Sowjetunion wurde der Fernsehturm Vilnius zum Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Am 13. Januar 1991 (Vilniusser Blutsonntag) rollten sowjetische Panzer nach Vilnius ein und wollten neben dem Parlament auch den Fernsehturm besetzen. Mehrere Zivilisten, die eine Menschenkette um den Turm bildeten, wurden von den Panzern überrollt. Ihnen zu Ehren wurde am Fuße des Turms eine Gedenkstätte errichtet.

Eiffelturm – Paris, Frankreich: 324 m

Der Eiffelturm (frzanzösisch la tour Eiffel) ist ein Wahrzeichen der französischen Hauptstadt Paris und steht weltweit als Symbol für ganz Frankreich. Er wurde in den Jahren 1887 bis 1889 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der französischen Revolution und der unter diesem Motto abgehaltenen Weltausstellung Paris 1889 erbaut. Der Stahlfachwerkturm ist nach seinem Erbauer Gustave Eiffel benannt und steht an der gleichnamigen Avenue Gustave Eiffel im Parc du Champ de Mars, direkt am Fluss Seine. Der 10.000 Tonnen schwere Turm ist 300 Meter, einschließlich der Fernsehantenne sogar 324 Meter hoch. Die Touristenattraktion wird von mehr als sechs Millionen Personen jährlich besucht. Im Jahre 2002 wurde der insgesamt 200-millionste Besucher empfangen.

Fernsehturm Tallinn – Tallinn, Estland: 314 m

Der Fernsehturm Tallinn (estnisch Tallinna teletorn) in der estnischen Hauptstadt Tallinn ist mit seinen 314 Metern Höhe nach dem Fernsehturm Riga (368,5 Meter) das höchste freistehende Bauwerk in Nordeuropa und wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Moskau errichtet. Grundsteinlegung war am 30. September 1975, Eröffnung am 11. Juli 1980. Von der 170 Meter hohen Aussichtsplattform ist bei klaren Sichtverhältnissen die finnische Küste zu sehen (ca. 70 Kilometer). Neben der Aussichtsplattform gibt es ebenfalls ein Restaurant im Turmkorb. Architekten des Fernsehturms in Tallinn waren Juri Sinis und Dawit Basiladse. Der Turmschaft besteht aus verstärkten Stahlbeton-Ringen mit 50 Zentimeter Stärke. Die Gesamtmasse des Turms wird mit rund 20.000 Tonnen angegeben. Während der Bauzeit überstand der Turm ein Feuer. Die Aussichtsplattform hat einen Durchmesser von 38 Meter und kann über zwei Aufzüge erreicht werden. Aktuell ist der Fernsehturm für längere Zeit (mind. ein Jahr) für Besucher geschlossen und wird grundlegend saniert.

Fotos: CC 3.0 A.Savin, CC 2.0 High Contrast, CC 3.0 Podvalov, CC 2.5 Dezidor. CC 3.0 Freedom Wizard, Wilbert, CC 2.5 EvaK, CC 2.5 Alan Zomerfeld, CC 3.0 Henrikas Rupp, CC 3.0 Benh LIEU SONG, Dmitry G

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