Die 10 höchsten Kirchtürme Europas

Die Kirche ist das zentrale religiöse Gebäude der römisch-katholischen, alt-katholischen, östlich-orthodoxen, iroschottischen, der anglikanischen und der evangelischen Gemeinden. Nach Kirchenrecht ist es „ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen das Recht freien Zugangs haben, um Gottesdienst vornehmlich öffentlich auszuüben“. Kirchen sind oft beeindruckende Gebäude von extrem hohem kulturellen Wert. Fünf der zehn größten Kirchen Europas befinden sich in Deutschland, der Turm des Ulmer Münsters ist sogar der höchste Kirchturm der Welt.

Hier finden Sie die 10 höchsten Kirchtürme Europas.

Ulmer Münster – Ulm, Deutschland: 162 m

Das Ulmer Münster ist eine im gotischen Baustil errichtete Kirche in Ulm, einer ehemals freien Reichsstadt. Der 1890 vollendete 161,53 Meter hohe Turm ist der höchste Kirchturm der Welt. Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahre 1377, als die freie Reichstadt Ulm durch Jahrhunderte römisch-katholisch war. Durch die Predigten des Ulmer Reformators Konrad Sam und der nachfolgenden Einführung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses im Jahre 1520/1522 wurde das Ulmer Münster ein Gotteshaus der Evangelische Kirche, war bis 1894 im Besitz der Stadt Ulm und kam danach in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Ulm. Es überstand die Bombardierungen der Stadt Ulm am Ende des Zweiten Weltkriegs 1944/1945 weitgehend.

Kölner Dom – Köln, Deutschland: 157 m

Der Kölner Dom ist eine römisch-katholische Kirche unter dem Patrozinium des Apostels Petrus. Der Kölner Dom ist mit 157,38 Metern Höhe nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das dritthöchste der Welt. Er zählt zu den weltweit größten Kathedralen im gotischen Baustil. Der Kölner Dom wurde 1996 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die riesige Fläche der Westfassade mitsamt den beiden Türmen von über 7.100 m² ist bis heute nirgendwo übertroffen worden. Von 1880 bis 1884 war er das höchste Gebäude der Welt. Er ist zudem die populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands: 2001 wurden fünf Millionen, seit 2004 sechs Millionen Besucher aus aller Welt gezählt, im Durchschnitt etwa 20.000 pro Tag.

Kathedrale von Rouen – Rouen, Frankreich: 152 m

Die Kathedrale von Rouen, Krönungsort und Grablege der normannischen Herzöge sowie Metropolitankirche der Normandie, zählt zu den schönsten und bekanntesten Kirchenbauten Frankreichs im gotischen Stil. Während der Amtszeit von Bischof Robert beschloss man, die Bischofskirche an zentraler Lage zu errichten. Die Kathedrale Notre-Dame von Rouen steht heute auf den Grundmauern einer romanischen Kathedrale und verfügt über insgesamt sieben Türme: den Tour Saint-Romain, dessen untere Partie etwa um 1160 entstanden ist, während die oberen Teile erst im 15. Jahrhundert aufgesetzt wurden, und den 75 Meter hohen Tour de Beurre (Butterturm) an der Westfassade, der im Flamboyant-Stil des späten 15. Jahrhunderts errichtet wurde und in einer achteckigen Krone gipfelt. Dazu kommen die vier Querschiffarme und der Vierungsturm. Die schon von weitem sichtbare Turmspitze (151,5 Meter) ist komplett aus Gusseisen und wurde im Jahre 1877 fertiggestellt. Bis zur Fertigstellung des Kölner Doms im Jahr 1880 war damit die Kathedrale das höchste Gebäude der Welt.

Straßburger Münster – Straßburg, Frankreich: 142 m

Das Liebfrauenmünster (französisch Cathédrale Notre-Dame) in Straßburg ist ein römisch-katholisches Gotteshaus und gehört zu den bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte sowie zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Wie die Stadt Straßburg im Allgemeinen verbindet auch das Liebfrauen-Münster deutsche und französische Kultureinflüsse. Das Münster wurde 1176 bis 1439 aus rosa Vogesensandstein an der Stelle eines abgebrannten Vorgängerbaus aus den Jahren 1015 bis 1028 errichtet, der seinerseits ein 1007 abgebranntes Gotteshaus aus karolingischer Zeit ersetzt hatte. Das neue Gebäude entstand zunächst im romanischen, dann im gotischen Stil. Von 1647 bis 1874 war das Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm das höchste Bauwerk der Menschheit. Das Straßburger Münster ist mit seiner charakteristischen asymmetrischen Form (der Südturm wurde nie gebaut) bis heute das Wahrzeichen des Elsass, und auch vom drei Kilometer entfernten deutschen Rheinufer, von den Vogesen und dem Schwarzwald aus sichtbar.

Basilika der Muttergottes – Licheń Stary, Polen: 142 m

Die Basilika der Muttergottes von Licheń (polnisch Bazylika Najświętszej Maryi Panny Licheńskiej) ist eine Wallfahrtskirche in Licheń Stary, 15 Kilometer nördlich von Konin (Warthe) in der Woiwodschaft Großpolen. Das 200 Jahre alte, als wundertätig verehrte Bild der Muttergottes von Licheń wurde ursprünglich in der örtlichen Dorotheenkirche aufbewahrt. 1994 erfolgte die Grundsteinlegung für eine neue Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria, in deren Hochaltar das Madonnenbild 2006 Platz fand. Am 12. Juni 2004 wurde nach zehnjähriger Bauzeit die fünfschiffige Basilika in Kreuzform mit Zentralkuppel fertiggestellt, die die Architektin Barbara Bielecka aus Gdynia entworfen hatte und die größtenteils aus Spendengeldern finanziert wurde. Am 25. Februar 2005 wurde die Kirche durch Johannes Paul II. zur päpstlichen Basilica minor erhoben. Die Ausmaße und die Ausstattung der neuen Kirche sind beträchtlich, und so ist das Gotteshaus die größte Kirche in Polen und die achtgrößte Kirche Europas. Sie ist 139 Meter lang und 77 Meter breit. Das Kreuz auf der zentralen Kuppel befindet sich 103,5 Meter über dem Boden, der Kirchturm ist mit 141,5 Metern der höchste Kirchturm Polens. Im 68 Meter hohen Glockenturm findet sich auch die „Gottesgebärerin“ – mit 15 Tonnen Gewicht, 3,12 Metern Durchmesser und 4,40 Metern Höhe die größte Glocke Polens und an dritter Stelle in Europa. Selbst die zweitgrößte Kirchenglocke „Josef“ übertrifft mit 11,6 Tonnen knapp die bis dahin größte Glocke Polens, die Sigismund-Glocke. In Licheń findet sich zudem die größte Orgel Polens mit 20.000 Pfeifen. Zur Kirche führt eine Freitreppe mit 33 Stufen, die die 33 Lebensjahre Jesu Christi symbolisieren. Der Vorplatz fasst etwa 250.000 Menschen. Die Kirche wird von zahlreichen Pilgern besucht.

Stephansdom – Wien, Österreich: 136 m

Der Stephansdom (eigentlich Domkirche St. Stephan zu Wien) am Wiener Stephansplatz (Bezirk Innere Stadt) ist seit 1365 Domkirche (Sitz eines Domkapitels), seit 1469/1479 Kathedrale (Bischofssitz) und seit 1723 Metropolitankirche des Erzbischofs von Wien. Der von Wienern mitunter auch kurz Steffl genannte römisch-katholische Dom gilt als Wahrzeichen Wiens und wird häufig auch als österreichisches Nationalheiligtum bezeichnet. Namensgeber ist der Heilige Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt. Das Bauwerk ist 107 Meter lang und 34 Meter breit. Der Dom ist eines der wichtigsten gotischen Bauwerke in Österreich. Teile des spätromanischen Vorgängerbaues von 1230/40–1263 sind noch erhalten und bilden die Westfassade, flankiert von den beiden Heidentürmen, die etwa 65 Meter hoch sind. Insgesamt besitzt der Stephansdom vier Türme: der höchste davon ist der Südturm mit 136,4 Meter, der Nordturm wurde nicht fertiggestellt und ist nur 68 Meter hoch. Im ehemaligen Österreich-Ungarn durfte keine Kirche höher als der Südturm des Stephansdoms erbaut werden. So wurde beispielsweise der Maria-Empfängnis-Dom in Linz um zwei Meter niedriger gebaut. Der Südturm ist ein architektonisches Meisterwerk seiner damaligen Zeit – trotz seiner bemerkenswerten Höhe ist das Fundament weniger als 4 Meter tief. Im Südturm befinden sich insgesamt 13 Glocken, wovon 11 das Hauptgeläut des Stephansdoms bilden. Die Pummerin selbst, zweitgrößte freischwingend geläutete Kirchenglocke Europas, befindet sich im Nordturm unter einer Turmhaube aus der Renaissance-Zeit.

Neuer Dom – Linz, Österreich: 135 m

Der römisch-katholische Mariä-Empfängnis-Dom in Linz, auch Mariä Empfängnis Dom, Mariendom und Neuer Dom genannt, wurde 1855 durch den Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier aus Dank für die Bulle Ineffabilis Deus vom 8. Dezember 1854 veranlasst. 1862 erfolgte die Grundsteinlegung, 1924 wurde der Dom von Bischof Johannes Maria Gföllner schließlich als Marienkirche geweiht. Mit 20.000 Besucherplätzen (17.000 im oberen Teil und 3.000 in der Krypta) gilt der Mariä-Empfängnis-Dom als die größte, nicht aber höchste, Kirche Österreichs. Die ursprünglich geplante Höhe wurde laut einer verbreiteten, aber unbelegten Legende deshalb nicht bewilligt, da in Österreich-Ungarn kein Gebäude höher sein durfte als der Südturm des Stephansdomes in Wien. Mit 134,8 Metern ist der Turm des Mariä-Empfängnis-Domes in Linz um rund zwei Meter niedriger als der des Stephansdomes. Der Außenbau ist 130 Meter lang, die Hauptfirsthöhe beträgt außen 44 Meter, die Breite des Langschiffs 27,5 Meter, die des Mittelschiffs 13,5 Meter und die des Querschiffs 60 Meter. Die Grundfläche beträgt 5.170 m², die gedeckte Dachfläche 7.120 m².

St.-Petri-Kirche – Hamburg, Deutschland: 132 m

Die Sankt-Petri-Kirche ist die älteste Pfarrkirche Hamburgs. Sie ist nach dem Apostel Petrus benannt und gehört zu den fünf Hamburger Hauptkirchen. Mit ihrer Lage an der Mönckebergstraße und an der Bergstraße markiert sie bei 9,48 m ü. NN den höchsten Punkt der Hamburger Altstadt. Der 132 Meter hohe Kirchturm kann über 544 Treppenstufen bis auf eine Höhe von 123 Metern bestiegen werden und bietet durch Bullaugen einen guten Überblick über die Innenstadt. Er beherbergt ein dreistimmiges Geläut (Nominallinie: g°-b°-d‘), dessen beide größeren Glocken in den Jahren 1922 (b°) und 1924 (g°) in der Glockengießerei Franz Schilling Söhne in Apolda gegossen wurden. Die kleinste Glocke (d‘) stammt noch aus dem 1878 von Hermann Große in Dresden gegossenen und im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstörten, vierstimmigen Geläut mit der Schlagtonfolge es°-g°-b°-d‘. Die derzeit größte Glocke ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und wiegt 6.275 Kilogramm bei einem unteren Durchmesser von 213 Zentimetern.

St.-Michaelis-Kirche – Hamburg, Deutschland: 132 m

Die evangelische Hauptkirche Sankt Michaelis, genannt “Michel”, ist die bekannteste Kirche Hamburgs und ein Wahrzeichen der Hansestadt, da sie für Seeleute auf einlaufenden Schiffen gut sichtbar ist. Sie gilt als bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands und ist dem Erzengel Michael geweiht, der als große Bronzestatue über dem Hauptportal hängt. Er ist dargestellt in Siegerpose über dem Teufel. Sankt Michaelis ist ein in Backsteinbauweise errichteter, barocker Zentralbau mit monumentalem Westturm. Als Wiederherstellung des Baus von 1762/86 ist sie die jüngste der fünf Hamburger Hauptkirchen und mit 2.500 Sitzplätzen auch die größte Kirche. Der Kirchenraum hat einen kreuzförmigen Grundriss mit 44 Metern Breite, 52 Metern Länge und 27 Metern Höhe. Die marmorne Kanzel bildet das Zentrum des Raumes. In der Krypta befindet sich eine Ausstellung zur Baugeschichte mit Modellen der Kirche. Der 132 Meter hohe, charakteristische Kirchturm zählt zu den höchsten der Welt und ist der zweithöchste Kirchturm in Hamburg. Er prägt die Silhouette der Stadt und galt schon früh als Orientierungsmarke für die auf der Elbe nach Hamburg segelnden Schiffe. In 106 Metern Höhe befindet sich die Turmplattform, die einen weiten Ausblick über die Stadt bietet. Man kann sie zu Fuß über 453 Stufen oder mit einem Fahrstuhl erreichen.

St. Martin – Landshut, Deutschland: 131 m

Die Landshuter Stadtpfarr- und Kollegiatstiftskirche St. Martin und Kastulus (Basilica minor) wurde von Baumeister Hans Krumenauer um 1385 als Hallenkirche begonnen und unter maßgeblicher Beteiligung des Hans von Burghausen bis um das Jahr 1500 fertiggestellt. Mit ihrer außergewöhnlichen, über die Maße vertikalisierten Architektur, in der sich Elemente von Hoch- und Spätgotik verbinden, gehört die Kirche zu den bedeutendsten Monumentalbauten der Gotik in Süddeutschland. Der Turm ist mit 130,6 Metern der höchste Backsteinturm der Welt sowie der höchste Kirchturm Bayerns. Das Kollegiatstift Moosburg wurde 1598 auf Veranlassung Herzogs Wilhelm V. nach Landshut (St. Martin) transferiert und dort 1803 aufgehoben. Im Jahre 1937 wurde das alte Kollegiatstift auf die Bitte Kardinal Faulhabers durch Papst Pius XI. wieder eingerichtet.

Hinweis: Der Turm von St. Nikolai in Hamburg gehört mit 147 Metern Höhe ebenfalls zu den höchsten Kirchtürmen Europas, ist allerdings eine Ruine.

Fotos: CC 3.0 Seematze, CC 0 ghesse, CC 3.0 Raimond Spekking, CC 3.0 tk, CC 3.0 Benh LIEU SONG, CC 3.0 Krzysztof Mizera, CC 2.5 Andrew Bossi, CC 3.0 Dein Freund der Baum, GNU Sterilgutassistentin, CC 3.0 KMJ, CC 2.0 Allie_Caulfield

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