Die 10 ungewöhnlichsten Kirchengebäude der Welt

Die Kirche ist das zentrale religiöse Gebäude der römisch-katholischen, alt-katholischen, östlich-orthodoxen, iroschottischen, der anglikanischen und der evangelischen Gemeinden. Nach Kirchenrecht ist es “ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen das Recht freien Zugangs haben, um Gottesdienst vornehmlich öffentlich auszuüben”. Kirchen sind oft beeindruckende Gebäude von extrem hohem kulturellen Wert. Sie müssen dafür aber nicht historisch wertvoll und uralt sein.

Hier finden Sie die 10 ungewöhnlichsten Kirchengebäude der Welt.

Catedral Metropolitana de Brasília – Brasília, Brasilien

Die Kathedrale von Brasília ist ein katholisches Kirchengebäude in der brasilianischen Hauptstadt Brasília. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Neubau der brasilianischen Hauptstadt vom Architekten Oscar Niemeyer geplant und gebaut. Die Einweihung fand am 31. Mai 1970 statt. Die Kathedrale besteht aus Beton und Glas und zeichnet sich durch ihre hyperbolische Form aus, die durch 16 gleichartige Betonsäulen hervorgerufen wird. Der Bau ist kreisrund und hat einen Durchmesser von 70 Metern. Die Symbolik des Baus ist mehrdeutig – die Struktur wird entweder als Dornenkrone Christi, eine Blüte, betende Hände oder Krone Marias interpretiert. Die helle, luftige Kathedrale kann zu den schönsten und gleichsam bedeutendsten modernen Kirchenbauten der Welt gezählt werden. Sie bietet außerdem ein besonderes akustisches Phänomen: Der Schall wird entlang des kreisförmigen Betonsockels so gut weitergeleitet, dass eine Konversation in normaler Zimmerlautstärke über eine Distanz von ca. 25 Metern möglich ist.

Catedral Metropolitana do Rio de Janeiro – Rio de Janeiro, Brasilien

Die Kathedrale von Rio de Janeiro ist ein katholisches Kirchengebäude in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro. Sie wurde 1976 eingeweiht und kann mehr als 20.000 Menschen aufnehmen. Das Innere besteht aus einem 92 Meter hohen offenen Raum ohne tragende Säulen. Granitsteine bilden den Altar. Neben der Bezeichnung „Metropolitana“ ist die Kathedrale nach ihrem Patron, dem Heiligen Sebastian benannt.

Cathédrale de la Résurrection d’Évry – Évry, Frankreich

Die Kathedrale von Évry ist die Bischofskirche des Bistums Évry-Corbeil-Essonnes in der französischen Stadt Évry. Die Kathedrale ist dem Hl. Korbinian von Freising (St Corbinien) gewidmet, der um 675 in Arpajon im heutigen Diözesangebiet von Évry geboren wurde. Sie war in den 1990er Jahren die erste Kathedrale, die seit mehr als 100 Jahren in Frankreich errichtet wurde. Sie wurde in den Jahren 1991 bis 1995 nach Plänen des Schweizer Architekten Mario Botta erbaut. Botta wählte die Grundform des Kreises als Symbol der göttlichen Vollkommenheit und der menschlichen Gemeinschaft; als Material den Ziegel für die vier Elemente, „gemacht aus Erde und Wasser, getrocknet an der Luft und gebrannt im Feuer“. Zwei Mauerringe aus Ziegel-Sichtmauerwerk, aufgelockert durch ornamentale Steinstellung und Fensterreihen, tragen auf dem nach Südwesten geneigten oberen Rand einen Kranz von 24 Silberlinden. Im Nordosten, zentral vor dem höchsten Punkt des Ringes und den großen Fenstern des Altarraums, wächst aus der Fassade ein Glockenturm mit fünf Glocken und einem Metallkreuz.

Hallgrímskirkja – Reykjavík, Island

Die Hallgrímskirkja ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche der Isländischen Staatskirche in der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Sie ist das größte Kirchengebäude Islands und das zweithöchste Gebäude des Landes nach dem Smáratorg-Turm. Entworfen wurde das Gebäude von dem Staats-Architekten Guðjón Samúelsson (1887-1950). Im äußeren Erscheinungsbild dominiert der expressionistische Stil, ähnlich der Grundtvigskirche in Kopenhagen, die 1940 fertiggestellt wurde. Auffallend ist die Ähnlichkeit der Betonpfeiler, die sich in großer Zahl um den Turm der Hallgrímskirkja aneinanderreihen, zu Basaltsäulen, einem gängigen Motiv der isländischen Landschaft. Die weiße Farbe erinnert an die Gletscher. Das Innere der Kirche ist dagegen als konventionelle, fünfschiffige Basilika mit zahlreichen gotischen Merkmalen gestaltet, etwa Kreuzrippengewölbe und Spitzbogenfenstern. Das sehr helle Innere der Kirche wird durch den weitgehenden Verzicht auf Buntglasfenster erzielt, und hinter dem Hauptaltar kann man ungewöhnlicherweise durch zusätzliche Fenster Himmel und Wolken sehen.

Herz-Jesu-Kirche – München, Deutschland

Die Herz-Jesu-Kirche ist eine katholische Pfarrkirche in München-Neuhausen. Sie wurde in den Jahren 1997–2000 nach den Plänen des Münchner Architekturbüros Allmann Sattler Wappner neu errichtet. Der moderne Bau wurde schon bald zu einer der am häufigsten besuchten Kirchen in München. Die Kirche ist ein einfacher gläserner Quader mit einer blauen Front und (halb-)transparenten Seiten. (16 Meter Höhe, 21 Meter Breite und 48 Meter Länge). Konstruktiv handelt es sich um ein Stahlskelett mit abgehängter Glasfassade. Innerhalb dieses Glaskastens befindet sich, unverbunden, ein weiterer, diesmal hölzerner Kubus, in den seitlich durch über 2.000 senkrecht stehende Holzlamellen je nach Sonnenstand unterschiedlich stark Licht einfällt, wobei die Helligkeit zum Altar hin kontinuierlich zunimmt. Gegenläufig dazu verhält sich die Transparenz der Außenwände, die – den Altarbereich vor Einblicken schützend – dort gänzlich opak erscheinen, während sie im Vorraum aus Klarglas bestehen. Zwischen Innen- und Außenkubus verläuft ein Umgang. Die vier Wände des Innenkubus haben einen spaltbreit Abstand voneinander und erscheinen somit als freistehende Scheiben. Auch die abgehängte Decke liegt nicht auf den Innenwänden auf, sondern scheint über einem Lichtspalt zu schweben.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche – Berlin, Deutschland

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist eine evangelische Kirche in Berlin. Durch die Luftangriffe gegen Berlin geriet das Kirchengebäude in der Nacht zum 23. November 1943 in Brand, was sowohl zum Zusammenbruch des Dachstuhls über dem Kirchenschiff, als auch zum Abknicken der Spitze des Hauptturms führte. Im März 1957 gewann Egon Eiermann den Architekturwettbewerb zum Neubau der Kirche. Sein Modell sah, zu Gunsten eines modernen Neubaus, den vollständigen Abriss der Ruine vor. Diese Pläne verursachten eine ungewohnt leidenschaftliche öffentliche Debatte. Sie endete mit einem Kompromiss, der sowohl vom Architekten, als auch von den Bürgern widerstrebend akzeptiert wurde. Die 71 Meter hohe Ruine des alten Hauptturms blieb, bautechnisch gesichert, als Mahnmal gegen den Krieg erhalten, umgeben von einem vierteiligen Bauensemble nach den Entwürfen Eiermanns. Ein oktogonales Kirchenschiff und ein rechteckiges Foyer im Westen des alten Turmstumpfes und ein hexagonaler Glockenturm sowie eine ebenfalls rechteckige Kapelle östlich davon. Ein Charakteristikum der neuen Gebäude sind die gerasterten Wände, die aus insgesamt mehr als 20.000 unikaten Glasfenstern bestehen. Der französische Glaskünstler Gabriel Loire, der Glaswände und Glasfenster für etwa 400 Kirchen allein in Frankreich und zahlreiche weitere in aller Welt entwarf, hatte sie in seiner Werkstatt in Chartres vorbereitet.

Sagrada Família – Barcelona, Spanien

Die Sagrada Família ist eine römisch-katholische Basilika in der spanischen Stadt Barcelona. Der Bau der von Antoni Gaudí im neukatalanischen Stil entworfenen Kirche ist bis heute unvollendet. Er wurde 1882 begonnen und soll nach jüngsten Prognosen 2026 abgeschlossen sein. Die Sagrada Família hat einen kreuzförmigen Grundriss. Das fünfschiffige Langhaus zeigt gegen Süden und misst bis zur Apsis am nördlichen Ende etwa 90 Meter. Es ist 45 Meter breit (Hauptschiff 15 Meter, vier Seitenschiffe je 7,5 Meter). Das kürzere dreischiffige Querhaus erreicht eine Länge von 60 Metern und eine Breite von 30 Metern (Hauptquerhaus 15 Meter, zwei Seitenschiffe je 7,5 Meter). Um fast die gesamte Kirche herum verläuft ein Kreuzgang. Er beherbergt eine Kapelle, die Mariä Aufnahme in den Himmel gewidmet ist. Überall an der Kirche finden sich komplexe Verzierungen und dekorative Elemente, wie etwa spindelartige Türme, die einer Sandburg gleichen und deren Dächer von geometrischen Formen gekrönt sind, die vom Kubismus beeinflusst scheinen.

Santuario della Madonna delle Lacrime – Syrakus, Italien

Die Santuario della Madonna delle Lacrime ist eine Wallfahrtskirche in der italienischen Stadt Syrakus. Die Kirche ist die größte Wallfahrtskirche auf Sizilien. Am 29. August 1953 begann ein Gipsbild im Haus eines Bauern Tränen zu vergießen – der Bischof von Palermo erklärte die Tränen für echt und es wurde ein Wallfahrtsort geplant. Bei einem Architekturwettbewerb im Jahr 1957 wurde der Entwurf von Michel Andrault und Pierre Parat gewählt. Mit dem Bau der Krypta, in der das Wunderbild ausgestellt wird, wurde im Jahr 1966 begonnen. Die eigentliche Kirche wurde ab 1994 erbaut. Beachtlich ist, dass der Bau aus Spannbeton gefertigt wurde, womit er sich deutlich gegenüber den anderen Kirchen in der Stadt absetzt. Auch im Inneren ist die eher karge Einrichtung ein deutlicher Widerspruch zu den anderen Gotteshäusern in der Region. Die Kirche hat Platz für 11.000 Besucher. Sie hat eine Höhe von 74,50 Metern, der Innendurchmesser beträgt etwa 71,40 Meter.

San Giovanni Battista – Mogno, Schweiz

Die San Giovanni Battista ist eine römisch-katholische Kirche im schweizerischen Bergdorf Mogno. Sie wurde von Mario Botta entworfen und in den Jahren 1992–1996 erbaut. Botta entwarf die Kirche als ein Zusammenspiel vielfältiger naturhafter und spiritueller Symbolik. Er gab ihr die Form eines turmartigen, oben in 45-Grad-Neigung abgeschrägten Ovals mit kreisrundem Glasdach. Als Baumaterial wählte er Marmor und Gneis in lagenweisem Wechsel und erzeugte dadurch einen reizvollen Hell-Dunkel-Effekt. Der Innenraum ist im Grundriss rechteckig; die Wände vollziehen den Wechsel vom Dachrund zum orthogonalen Boden in allmählichem Übergang. Der Altar steht vor einer quasi-byzantinischen rundbogigen, abgestuften Durchgangsnische, hinter der sich die Sakristei befindet – wegen der Hanglage unterirdisch und von außen unsichtbar.

Wotrubakirche – Wien, Österreich

Die Wotrubakirche ist eine römisch-katholische Kirche in der österreichischen Hauptstadt Wien. Sie besteht aus Betonblöcken, die zwischen August 1974 und Oktober 1976 nach Plänen von Fritz Wotruba erbaut wurden. Das Gebäude besteht aus 152 Blöcken zwischen 0,84 m³ (1,84 t) und 64 m³ (141 t); der höchste Block misst 13,10 Meter. Das Licht fällt durch einfache Glasscheiben, die in die unregelmäßigen Zwischenräume eingesetzt sind, woraus sich überschneidende Lichtbündel ergeben. An der Altarwand befindet sich ein Abguss des von Wotruba für die Hofkirche in Bruchsal geschaffenen Kreuzes.

Fotos: CC 3.0 Cayambe, CC 2.5 Victor Soares, CC 2.0 Phil Whitehouse, CC 3.0 Tangopaso, CC 3.0 Andreas Tille, CC 2.5 Bernhard J. Scheuvens aka Bjs, CC 3.0 GerardM, CC 3.0 Bernard Gagnon, CC 3.0 Felix König, CC 3.0 Makemake, CC 3.0 ninanuri

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