Salto Ángel: der höchste Wasserfall der Welt

Der Salto Ángel ist ein Wasserfall im Südosten Venezuelas. Er ist mit fast 1.000 Metern Fallhöhe der höchste freifallende Wasserfall der Erde. In der Sprache der indigenen Pemón heißt er „Kerepakupai merú“, was etwa „Sprung des tiefsten Ortes“ bedeutet. Bisweilen wird er mit dem nahe gelegenen Wasserfall Churún-Merú verwechselt.

Der zur Gran Sabana gehörende Wasserfall ist Teil des Nationalparks Canaima. Sein Wasser, der Río Churún, bildet einen Zufluss des Río Carrao. Es stürzt von einem Vorsprung des Auyan-Tepui, eines Tafelbergs mit 700 km² Fläche, in die Tiefe. Auf halbem Weg zerstäubt das Wasser insbesondere in der Trockenzeit zu einer Wolke aus kleinen Wassertröpfchen; diese sammeln sich am Fuß der Felswand zu einem reißenden Fluss. Kurz darauf stürzt das Wasser abermals 200 Meter in die Tiefe. Gespeist wird der Wasserfall durch oft heftige Gewitter-Regengüsse, die auf dem großen Plateau des Tafelberges niedergehen.

Obwohl der Venezolaner Ernesto Sánchez la Cruz den Wasserfall bereits im Jahre 1910 entdeckte, wurde er erst 1933 nach der Wiederentdeckung durch den US-amerikanischen Buschpiloten Jimmie Angel bekannt (daher auch der Name Salto Ángel). Als er am 16. November 1933 den Canyon des Río Churún entlang flog, entdeckte er den gewaltigen Wasserfall. Zwei Jahre später wagte Angel mit seiner Frau und einem Wissenschaftler eine Landung auf dem Hochplateau, bei der seine Maschine zu Bruch ging. Heute ist dieses Flugzeug in Ciudad Bolívar (Venezuela) vor dem Flughafen ausgestellt. Erst nach elf Tagen gelang der Gruppe über eine Steilstufe, die heute Second Wall genannt wird, der Abstieg in den Urwald. Im Roman Ikarus von Alberto Vázquez-Figueroa wird die Geschichte von Jimmie Angel, der Suche nach Gold und Diamanten und der Entdeckung des Wasserfalles eingehend beschrieben.

Die US-amerikanische Fotoreporterin Ruth McCall Robertson (1905–1998) erreichte am 12. Mai 1949, nach einer von ihr initiierten Überland-Expedition, als Erste den Fuß des Wasserfalls und vermaß ihn.

Obwohl der Salto Ángel nur durch eine wenigstens eintägige Bootstour von Canaima aus erreichbar ist, hat er sich zu einer der größten Touristenattraktionen Venezuelas entwickelt. Da sich der Wasserfall mitten im venezolanischen Urwald befindet, sind Besucher allerdings auch heute noch auf das Flugzeug angewiesen, um die Lagune von Canaima zu erreichen.

Während der Trockenzeit ist der Wasserfall weniger imposant und wegen des niedrigen Wasserstandes auf dem Rio Churún, einem Seitenarm des Rio Carrao, nur bedingt per Einbaum zu erreichen. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit, einen von Wolken ungetrübten Blick auf den Berg und Wasserfall genießen zu können, wesentlich größer.

Fotos: CC 3.0 Yosemite, CC 3.0 Yosemite

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