Die Bahn hat ihren Charme verloren

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Noch in den 1990er-Jahren hatte das Bahnfahren etwas: Die alten Züge fuhren teilweise seit Jahrzehnten mehr oder weniger zuverlässig, die Sitze waren bequem, man konnte Fenster herunterziehen und sich den Fahrtwind um die Ohren sausen lassen. Es gab noch gemütliche Abteile, die aufgrund der geschaffenen Sicherheitsprobleme heute ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Dann hat ein Modernisierungswahn eingesetzt, der nicht viel Gutes gebracht hat: unzuverlässige Züge, Ausfälle, harte Sitze, grelles Licht, Fenster, die man nicht öffnen kann, Klimaanlagen, die fast nie so funktionieren, wie sie sollten. Die Fahrpreise werden immer höher, die Züge immer voller, das Ansehen der Bahn sinkt immer mehr in den Keller. Türen öffnen sich während der Fahrt, Fahrgäste sitzen stundenlang in völlig überhitzten Zügen ohne Frischluft fest.

Kann man Bahnreisen heute noch als schön bezeichnen? Ja, man kann.

Um etwas von der „alten Bahn“ zu erhaschen, könnte man sich zum Beispiel in Aachen Hbf in den belgischen IR nach Liège-Guillemins setzen und einen Ausflug nach Liège oder Spa (mit Umstieg in Verviers und Besichtigung des alten Bahnhofs) machen. Die gemütlichen, alten Nahverkehrszüge rattern durch schöne, hügelige Landschaften, kleine Städtchen, über viele Brücken und durch unzählige Tunnel. Dabei kann man Lütticher Waffeln verspeisen und vielleicht ein belgisches Bierchen trinken.

Die Fahrt nach Liège dauert etwa 50 Minuten und kostet 12,40€. Etwa die Hälfte des Fahrpreises ist übrigens für die kurze Überfahrt nach Belgien auf dem Gebiet der DB (1/5 der Strecke) fällig – so viel zu den Preisen.

Fotos: CC 3.0 Michael Bienick, © David Damjanovic, © David Damjanovic

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