Legendär: die Route 66

Die weltberühmte Route 66 gilt als eine der ersten durchgehenden Straßenverbindungen zur US-amerikanischen Westküste. Heute sind die verbliebenen Teilstücke der einst 2.448 Meilen (3.940 Kilometer) langen Strecke von Chicago (Illinois) nach Santa Monica (Kalifornien), auch „Mother Road“ oder „America’s Mainstreet“ genannt, ein Anziehungspunkt für Touristen und Nostalgiker. Sie wird jedoch nicht mehr einheitlich als Route 66 bezeichnet und ist nicht mehr durchgehend befahrbar.

Die Route 66 gilt als Symbol für Freiheit und Abenteuer, sie steht nostalgisch-sentimental für die „gute alte Zeit“. In vielen Orten längs ihrem früheren Streckenverlauf gibt es Souvenirläden, Museen oder Diner-Cafés, die mit den 1950er Jahren assoziiert werden. Ebenso stehen noch ehemalige Restaurants, Tankstellen und sonstige Gebäude aus der Blütezeit am Rand der Straße.

Im Jahre 1914 machte ein Motorradfahrer namens Erwin G. Baker Schlagzeilen, der das Land von Küste zu Küste in elf Tagen durchquerte und danach über „Wege wie frisch gepflügte Äcker“ berichtete. Im Zuge des aufkommenden Autoverkehrs nach dem ersten Weltkrieg wurden viele Straßen gebaut – der Ruf wurde laut nach einer durchgehenden Straßenverbindung an die Westküste, die noch immer durch die Rocky Mountains und durch Wüsten vom Rest des Landes weitgehend getrennt war.

Die wichtige und symbolträchtige Ost-West-Verbindung wurde ab dem Jahr 1926 sukzessive als „US Highway 66″ ausgebaut, auch indem man schon bestehende Straßen einfach miteinander verband. Als Planer gilt Cyrus Stevens Avory, dessen Planungen sich am 26. November 1926 mit der offiziellen Bezeichnung als „US Highway 66″ für die einheitliche Streckenführung realisiert hatten. Ihre Bezeichnung geht auf einen Brief des Leiters für öffentliches Straßenwesen vom 23. Juli 1926 zurück, wonach die Nummer 66 eine der wenigen Zahlen war, die in den betroffenen Bundesstaaten noch nicht für eine Straße vergeben worden waren.

In ihrem Gründungsjahr waren lediglich 800 Meilen asphaltiert, erst im Jahre 1938 wurde die Asphaltierung der Straße vollendet. Im Jahre 1933 fuhr Erwin G. Baker, aufgrund von über einhundert Werbe-und Rekordfahrten inzwischen als Cannonball bekannt, teilweise auf der neuen Strecke: von New York nach Los Angeles in der Rekordzeit von 53 Stunden.

Die Route war in den 1950er und 1960er Jahren die wichtigste Ost-West-Verbindung der Vereinigten Staaten. Einerseits förderte die Route 66 den Umzug in entferntere Gegenden, andererseits verbesserte sie die örtliche Infrastruktur und Wirtschaft. Viele Menschen zogen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an die Westküste, wo zu jener Zeit, unter anderem durch die aufblühende Rüstungs- und Flugzeugindustrie, mehr als 200.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden.

In den folgenden Jahren konnte die Route 66 – als einfache, oft kurvenreiche und einspurige Landstraße – dem wachsenden Verkehr immer weniger gerecht werden. Der Verlauf wurde ständig geändert, es wurden Ortsumgehungen gebaut, Umwege abgekürzt oder der komplette Verlauf verändert. Gemäß dem Vorbild der Autobahnen, die der Ex-General und spätere US-Präsident Eisenhower in Deutschland 1945 kennengelernt hatte, wurde auch die „Route 66″ allmählich durch moderne mehrspurige, kurvenarme Fernstraßen ersetzt.

Während des allmählichen Niedergangs der Route 66 wurde ihr Verlauf besonders im wüstenartigen Westen der USA, mit ihren Tankstellen, Restaurants und Motels, romantisch verklärt. Bald umgab die Straße ein ähnlich mythischer Kult wie die Pferde und Cowboys des Wilden Westens. Eine Vielzahl von Büchern, Websites und Reiseberichten sowie ein Bluessong widmen sich der Route 66 und halten ihre Legende aufrecht. Vor allem Touristen in Reisebussen, Wohnmobilen und Leihwagen, besonders jedoch Motorradfahrer, sind auf der Route 66 unterwegs.

Fotos: CC 3.0 David Winkler, Shoshone, CC 3.0 shoshone

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