Viele Menschen aus Rhein-Ruhr fahren oft nach Holland (Venlo oder Roermond) zum Einkaufen. Längst ist dort nicht mehr alles günstiger, aber es macht Spaß, mal in einem ganz anderen Supermarkt zu sein und andere Produkte zu kaufen. Und es hat Tradition. Seit Jahren fahre ich zum Einkaufen allerdings nicht mehr nach Holland, sondern nach Belgien. Das hat weniger mit den Preisen zu tun (manches ist teurer, manches günstiger), mehr mit dem Angebot – und dem Erlebnisfaktor. Dazu später mehr.
Im Gegensatz zu Holland ist Belgien ein Feinschmeckerland – einige Spezialitäten sind weltberühmt, und die gibt es natürlich auch im Supermarkt. Spezialitäten wie Schokolade (Côte d’Or oder Galler), Lütticher Waffeln und Spekulatius (Lotus), raffiniertes Gebäck, frische Törtchen, Käse (Fromage de Herve oder Chimay), Ardennenschinken, Boudin (Weiß- und Blutwurst in verschiedenen Sorten), Pommessaucen (D&L), Getränke (Spa-Wasser und -Limonaden), Bier (besonders traditionelle Trappisten- und Abteibiere wie Rochefort und Chimay), Genever und vieles mehr gehören in den Einkaufswagen.
Generell ist die Auswahl größer und hochwertiger: Lebensmittel, die es in Deutschland nur in Feinkostläden gibt, sind in belgischen Supermärkten normal. Ein weiterer Punkt ist die Vielfalt. Es gibt zahlreiche Produkte in Belgien, die es zwar auch in Deutschland gibt, aber zusätzlich in völlig anderen Geschmacksrichtungen erhältlich sind. Interessant ist auch die internationale NonFood-Auswahl: Putzen mit Lavendel (Caroline) und Duschen mit Aprikose-Basilikum (Le Petit Marseillais) – da kommt Freude auf.
Welche Supermärkte gibt es in Belgien?
GB (inzwischen Carrefour-Gruppe) und Delhaize sind die belgischen Supermarktketten, die in Belgien am meisten vertreten sind. Das Angebot ist groß, die Preise vertretbar bis gehoben. Neben allen belgischen Produkten gibt es auch viel aus dem Ausland, wenig jedoch aus Deutschland. Bemerkenswert sind die frisch abgepackten Mahlzeiten oder auch Backwaren, Kuchen und Torten, die es in den Märkten gibt. Aber auch für die Küche finden sich hier allerlei edle Zutaten. Delhaize-Supermärkte sehen im Gegensatz zu GB wie richtige Feinkostläden aus.
Carrefour ist eine französische Kette, die besonders für ihre Riesenmärkte bekannt ist. Das Angebot ist mit belgischen Produkten voll auf den belgischen Markt zugeschnitten, die Preise sind gemäßigt.
Auch Aldi und Lidl gibt es in Belgien. Aldi hat in Belgien keinen Kultstatus, Lidl ist billig und etwas verrufen. Im Gegensatz zu Lidl gibt es bei Aldi ein ganz anderes Angebot als in Deutschland: viele belgische Produkte und Spezialitäten.
Ganz besonders ist Colruyt, und da sind wir beim Erlebnisfaktor angekommen. Colruyt ist eine belgische Kette, die absoluten Kultstatus genießt. Die Supermärkte sind groß und erinnern vom Aussehen her stark an ältere deutsche Baumärkte. Colruyt verkauft meist Großpackungen (Dreiertafeln Schokolade, Bier-Sixpacks etc.) und ist sehr günstig. Das Angebot ist belgisch und international, aber nicht so groß wie bei GB und Delhaize.
Was macht Colruyt nun so besonders? Man kann viele Lebensmittel probieren, und zwar ohne nervige Verkaufsagenten – überall stehen geöffnete Weinflaschen, Kaffeemaschinen, kleine Probierschüsseln mit warmen Lebensmitteln, aufgeschnittenes, frisches Obst, Knabbereien und vieles mehr. Nach einem Pinnchen Wein, mit einem Becher Kaffee in der Hand und Knabbereien hier und da macht das Einkaufen noch viel mehr Spaß. Weit mehr als in Holland!
Einkaufsstädte
Einkaufsstädte in der Nähe der deutschen Grenze sind von Nord nach Süd Maaseik, Tongeren (Flandern), Eupen (Deutschsprachige Gemeinschaft), Liège, Verviers, Spa, Malmedy, Bastonge und Arlon (Wallonie).
Natürlich sollte man, wenn man schon da ist, unbedingt auch kleinen, traditionellen Bäckereien, Konditoreien, Metzgereien etc. einen Besuch abstatten.
Fotos: © David Damjanovic, CC 3.0 LimoWreck

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Guter Artikel,
ich kauf in Belgien seit 1986 ein. Die Biere (zum Teil Flaschengärung) mit Himbeer, Kirsch, Cassis, Brombeere usw. sind gern gesehene Geschenke bei Freunden. Belgische Käsesorten oft ein Drittel günstiger. Die belgischen Pommessaucen wie Andaluse, Americain, Samurai usw. (die gibt es weder in der BRD noch in den Niederlanden) sind bei Kindergeburtstagen der Renner. Leckeres zartes Pferdegulasch in Dosen ist in den letzten 3 Jahren leider seltener geworden. Einfache Schweinenackenkotteletts (auf Herkunft achten) kosten 20 Prozent mehr, schmecken aber 200 Prozent besser, ebenfalls Hähnchen oder Pasteten. Die Weisswurst – obwohl oder gerade wegen des hohen Milcheiweissgehalts – lässt jede bayrische verblassen.
Eupen ist einerseits deutschsprachig anderseits an den französischen Essgewohnheiten orientiert. Carrefour ist dort nicht so bestückt wie in Lüttich/Liege.
Liebe Grüsse
Danke für die Ergänzungen! Boudin habe ich gerade noch eingefügt – besonders die Blutwürste finde ich wirklich gut.