Lüttich: Kontraste über Kontraste

Lüttich (französisch Liège) ist das kulturelle Zentrum der Wallonie in Belgien, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und des Bistums Lüttich. Als Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern liegt Lüttich am Zusammenfluss von Ourthe und Maas (Meuse) unweit der Städte Maastricht in den Niederlanden und Aachen in Deutschland. Das Lütticher Becken zählt samt Vorstädten ungefähr 600.000 Einwohner.

Die wallonische Metropole ist eine alte Bischofsstadt, die sich überschnell zur Stahl- und Kohleindustriemetropole entwickelt hat.

Lüttich glänzt mit einem wunderbaren Zentrum mit großen, historischen Gebäuden, unzähligen uralten Kirchen, schönen historischen Straßen, Gassen, belebten, bunten Plätzen mit Straßencafés und viel Flair. Lüttich beherbergt große Kunstschätze in zahlreichen Museen. Auch die Wohnviertel vor allem rund um das Zentrum sollte man unbedingt erkunden, auf Schritt und Tritt mit Georges Simenon (Kommissar Maigret). Traumhafte Viertel auf Hügeln, Treppenstraßen, Panoramablicke auf die Stadt, Terrassenparks und -gärten, die man zum Teil ganz versteckt und abenteuerlich über Hinterhöfe und verschiedene Treppen erreicht. Lüttich ist außerdem für seine lebendige Künstlerszene, ausgezeichnete Restaurants und ausschweifendes Nachtleben bekannt, welches schon Jacques Brel sehr geschätzt hat.

Und dann gibt es noch das andere Lüttich: Wände aus schmalen, zehnstöckigen Wohnbunkern aus den 1960ern entlang der Flussufer und mancher Boulevards, angeschwärzte Fassaden, leerstehende und verfallene Gebäude, befremdliche Viertel mit einer stark wachsenden Minderheit aus Dritte-Welt-Einwanderern und schlechtes Sicherheitsgefühl.

In den letzten Jahrzehnten gab es mehrere Epochen, bergauf und bergab: reiche Zeiten durch Stahl- und Kohleindustrie, Bauwut, Niedergang der Industrie, hohe Arbeitslosigkeit und Verfall, dann rasanter Aufschwung, Sanierung von Gebäuden und Vierteln, ein neuer Bahnhof (ein gewaltiges Architektur-Meisterwerk von Calatrava), nun zunehmende Entfremdung und steigende Kriminalität.

Wenig getan hat sich dagegen in den Vororten. Städte wie Herstal und Seraing mögen in gewisser Weise charmant-grottig sein – aber vor allem trostlos. Backsteingebäude an ungepflegten Asphaltschneisen, in direkter Nachbarschaft zu Industriegebäuden, die manchmal gelb oder schwarz qualmen. International bekannt sind einige Filme der Gebrüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die in Seraing aufwuchsen und bewegende Sozialdramen drehten, die in diesen Kulissen spielen.

Lüttich ist trotzdem (noch) einen Besuch Wert und eine sehr interessante Stadt. Ob man von ihr angetan ist oder nicht, hängt ganz davon ab, wo man sich gerade befindet – und bei welchem Wetter. In wunderschönen Straßen oder grottigen Gassen im Zentrum, im traumhaften Villenviertel Cointe oder im albtraumhaften Ghetto Droixhe…

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