Ouro Preto – das Juwel in der Schatzkammer Brasiliens

Ouro Preto

Ouro Preto ist eine Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Sie liegt auf einer Höhe von 1.179 Metern in der Gebirgskette Serra do Espinaço im Südosten Brasiliens, etwa 100 Kilometer von Belo Horizonte, 500 Kilometer von Rio de Janeiro, 700 Kilometer von São Paulo, und 850 Kilometer von Brasília entfernt. Bis zum Meer sind es knapp 300 Kilometer.

Wegen des barocken Stadtbildes ist Ouro Preto in der Welt einzigartig, und einer der wichtigsten Touristenmagnete Brasiliens.

Den Namen Vila Rica do Ouro Preto (portugiesisch für „Reiche Stadt des schwarzen Goldes“) erhielt die Stadt nicht etwa wegen ihrer Öl- oder Kohlevorkommen, sondern wegen ihrer tatsächlich riesigen Goldvorkommen, die durch Eisenoxyd-Verunreinigung leicht schwarz gefärbt waren. Funde von Gold und Smaragden lockten ab dem 17. Jahrhundert viele Menschen in die Gegend. Die Stadt, die am Fundort gegründet wurde, erhielt den Namen Vila Rica. Vor allem die Goldfunde übertrafen alles, was die Portugiesen in Brasilien zuvor entdeckt hatten. Es brach ein wahres Goldfieber aus, Vila Rica wurde zu einer der wichtigsten Goldgräberstädte der Welt, tausende Sklaven schufteten unter schlimmen Bedingungen.

Im Jahr 1721 wurde Vila Rica Hauptstadt des heutigen Bundesstaates Minas Gerais, und später in „Ouro Preto“ umbenannt. Die Region entwickelte sich schon bald zur reichsten der Kolonie, wozu ab 1729 auch Diamantenfunde beitrugen.

Die größten Barock-Künstler, allen voran Antonio Francisco Lisboa, verwandelten Ouro Preto in ein architektonisches Juwel. Die Spuren, die er durch seine Arbeiten hinterlassen hat, sind von einer einzigartigen Kraft und Schönheit. Er widmete sein ganzes Leben der Kunst und schuf religiöse Werke von außergewöhnlicher Qualität und beachtlichem Formenreichtum. Er wurde in ganz Brasilien hoch geschätzt, obwohl er die Region um seine Heimatstadt Ouro Preto nie verlassen hat. Leider litt Lisboa unter einer unheilbaren Krankheit, die seinen Körper langsam zersetzte. Trotzdem schuf er bis zu seinem Tod im Jahr 1813 unermüdlich neue Varianten des später als „Barocco Mineiro“ bezeichneten Barock-Stils. Er band sich zuletzt die Bildhauerwerkzeuge an seine Arme, als er die Hände nicht mehr gebrauchen konnte, und kämpfte mit Schönheit gegen die grausame Verkrüppelung an.

Gegen Ende des 19. Jh. verlor Ouro Preto an Bedeutung. Die Gold- und Edelsteinfunde waren zurückgegangen, und nach Abschaffung der Sklaverei fehlten billige Arbeitskräfte. Die ungünstige Lage in den Bergen führte zudem dazu, dass einige Kilometer entfernt auf einem Plateau eine neue Stadt gegründet wurde, die Ouro Preto als Hauptstadt ablöste: Belo Horizonte, heute eine Millionenstadt. Dies war der bedeutende Schritt zur unverfälschten Erhaltung der kolonialen Atmosphäre von Ouro Preto, in seiner gesamten architektonischen Komposition. Im Jahr 1980 wurde Ouro Preto von der UNESCO zum „Kulturdenkmal der Menschheit“ erklärt.

Ouro Preto ist für das Verständnis Brasiliens und das Selbstverständnis der Brasilianer sehr wichtig. Man erlebt die Geschichte als Gegenwart – ein absoluter touristischer Höhepunkt – auch wenn Minas Gerais ein vor allem in Deutschland fast unbekannter Teil Brasiliens ist. Heute ist Ouro Preto nicht nur eine Touristen-, sondern auch eine lebendige Studentenstadt.

Kopfsteingepflasterte Gassen winden sich bergauf und bergab zwischen mit Kirchen gekrönten Hügeln inmitten von grünen Bergen. Ouro Preto vermittelt das Bild einer Märchenlandschaft. Herrenhäuser, Türme, Erker, Brunnen und Gärten vermitteln eine fesselnde Atmosphäre – wie im 18. Jahrhundert. Mehrere Tage sollte man einplanen, um die Stadt mit ihren Kirchen, Hügeln und holprigen Gassen kennenzulernen, die Atmosphäre zu genießen, und die fotogensten Winkel zu suchen.

Man kann zudem die Gegend erkunden, mit der „Maria Fumaça“ genannten Dampflokomotive vor fünf Personenwagen (wovon ein Panoramawagen) in das zwölf Kilometer entfernte weitere Barockstädtchen Mariana machen, Tagesausflüge an das Meer unternehmen, die Reise mit einem Besuch von Rio de Janeiro verbinden…

Foto: CC 3.0 PQ3

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2 Kommentare zu Ouro Preto – das Juwel in der Schatzkammer Brasiliens

  1. Alex 21. Februar 2014 um 23:03 #

    Das liest sich sehr interessant, darf ich fragen, ob/wann du selbst vor Ort gewesen bist?

    Wir waren 2009 zuletzt in Brasilien und waren von der Vielfalt des Landes überrascht. Zum Glück werden wir ja durch die anstehenden Sportgroßereignisse (WM, Olympia) wieder jede Menge Bilder und Reportagen aus dem Land zu sehen bekommen. Und wer weiß, vielleicht sind wir ja schon bald mal wieder dort!

    • David Damjanović 24. Februar 2014 um 18:07 #

      Hallo Alex, leider nur per Google Street View, aber dafür ausgiebig! 😉 Es sind fast alle Straßen aufgenommen, ein Traum…

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