Löwen – die unbekannte Schönheit. Die Stadt steht im Schatten von Brüssel, ist fast schon ein Vorort – man sollte allerdings auch hier mal vorbeischauen, denn Löwen ist dermaßen prunkvoll und gepflegt, dass man nur noch staunen kann. Auch Löwen ist eine üppige Kunstmetropole, konkurrierte früher mit Brüssel.

Der Boden, auf dem die Stadt steht, hat das Aussehen Löwens stark beeinflusst: Er ist so weich, dass man wegen Einsturzgefahr keine großen Türme errichten konnte. Löwen hat keine Skyline wie die anderen flämischen Kunststädte. Man hat es versucht – doch der Turm der Sint-Pieterskirche (170 Meter Höhe war geplant) ist stumpf und unvollendet. Was tun? Die flämischen Städte versuchten sich doch ewig in Sachen Pracht zu übertrumpfen: Wer baut den höchsten Belfried, die höchste Kathedrale? Man hat also beschlossen, mit der Pracht in die Tiefe zu gehen, sich voll und ganz den Fassaden zu widmen. Je verzierter, desto besser. Wo die Fassaden nicht genug geschmückt waren, hat man einfach Ornamente und Figuren eingefügt.

Es gibt auf der Welt also größere Rathäuser als das von Löwen – aber kein schöneres. Der Anblick der Fassade, auf der kein Quadratzentimeter nicht verziert ist, verschlägt jedem die Sprache. Und dann erst die unzähligen Türmchen auf dem Dach – völlig übertrieben. Man muss sich erstmal setzen, in ein Straßencafé. Nach einem Starkbier sieht die Sache ganz anders aus.

In der Stadt wird viel Bier gebraut (Stella-Artois), und wenn nicht dort, wird es von Löwen aus verwaltet. Auch einige große deutsche Biere gehören dem AB InBev – Konzern.

Löwen ist eine Universitätsstadt, in der nahezu 30.000 Studenten leben (1/3 der Einwohner!), und das sieht man: Überall im Zentrum stehen mächtige alte Universitätsgebäude, das Publikum ist sehr jung, kauft in schicken Geschäften und geht gerne aus. Um Grote und Oude Markt ist am Wochenende einfach nur die Hölle los – aber auch in der Woche kann man ausgehen: Der Grote / Oude Markt gilt als die längste Theke Belgiens.

Wunderbare Wanderungen kann man machen – durch prunkvolle Straßen, über prachtvolle Plätze, oder durch Belgiens größten Beginenhof, Unesco-Weltkulturerbe und ein Paradies für Spaziergänger.

Im Jahr 1968 wurde die Universität Löwen infolge des Sprachenstreits geteilt: Die Wallonen bauten auf dem Feld ihr eigenes Löwen: Louvain-la-Neuve, Belgiens jüngste Stadt.

Top10 Sehenswürdigkeiten in Löwen:

1. Stadhuis (Rathaus)

Das gotische Rathaus wurde von 1439 bis 1468 erbaut, gilt als eines der schönsten Bauwerke der Spätgotik in Europa und ist eines der berühmtesten Rathäuser der Welt.

2. Tafelrond

Der gotische Tafelrond wurde zwischen 1480 und 1487 erbaut und diente ursprünglich als Versammlungshaus der Gilden der Rhetoriker und Schützen, später auch als Festsaal. Das Gebäude war im 19. Jahrhundert stark heruntergekommen, wurde abgerissen und ersetzt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das ursprüngliche Gebäude jedoch wieder aufgebaut.

3. Collegiale Sint-Pieterskerk (Sankt-Peterskirche)

Die Kirche gilt als eines der Hauptwerke der brabantischen Gotik. Erbaut wurde sie im 15. Jahrhundert. Die Kirche ist unvollendet und turmlos, aufgrund von ungünstigen Bodenverhältnissen.

4. Grote Markt (Großer Markt)

Diverse prachtvolle Gebäude und Bürgerhäuser.

5. Kirchen

Hohe Anzahl und Dichte an wertvollen historischen Kirchen in verschiedenen Stilen.

6. Groot Begijnhof (Großer Beginenhof)

Der Große Beginenhof in Löwen ist mit 3 ha bebauter Fläche einer der größten noch bestehenden Beginenhöfe in Flandern. Er entstand im 13. Jahrhundert. Die Architektur ist traditionell, mit vereinzelten barocken Verzierungen.

7. Universiteitsbibliotheek (Universitätsbibliothek)

Prachtvolles Gebäude mit hohem Turm, wiederaufgebaut nach dem ersten Weltkrieg.

8. Colleges

Diverse sehenswerte Colleges aus verschiedenen Zeiten.

9. Station Leuven (Hauptbahnhof)

Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1875. Über den Bahnsteigen “schwebt” eine sehenswerte, moderne Dachkonstruktion.

10. Kasteel van Arenberg (Schloss von Arenberg)

Prunkvolles Schloss aus dem 16. Jahrhundert, mit später hinzugefügten Elementen in Spätgotik, Renaissance und Neogotik. Das Gebäude ist derzeit Eigentum der Universität.

Foto: Wouterhagens

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